Samstag, August 19, 2017

Finale Fassung: Kurzprogramm der Liberalen Männer in der FDP veröffentlicht

Wie heute auch Christian Schmidt berichtet, steht inzwischen das endgültige Kurzprogramm der Liberalen Männer in der FDP auf ihrer Facebookseite online. Genderama hatte bislang nur ein provisorisches Kurzprogramm veröffentlicht.

In dem Programm heißt es:

Die Freie Demokratische Partei (FDP) ist eine Partei, die sich für Freiheit, Demokratie und Gleichberechtigung einsetzt. Letzteres bedeutet, dass die Interessen von Frauen und Männern gleichermaßen berücksichtigt werden. Derzeit existiert ein Verein, die Liberalen Frauen, der politische Interessen für Frauen vertritt. Jedoch gibt es bedauerlicherweise weder bei der FDP noch bei einer der im Bundestag vertretenen Parteien eine vergleichbare Gruppe, welche die Interessen von Männern vertritt.

Die Bundesvereinigung Liberaler Männer steht für eine ganzheitliche, moderne Geschlechterpolitik, wonach es tatsächliche Gleichberechtigung nur geben kann, wenn die berechtigten Anliegen beider Geschlechter berücksichtigt sowie Benachteiligungen thematisiert und beseitigt werden.

Um auf eine tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern, Müttern und Vätern, Mädchen und Jungen hinzuarbeiten, wollen die Mitglieder der Bundesvereinigung Liberaler Männer die im Folgenden genannten Ziele erreichen:

A) Konsequente Umsetzung des Artikels 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und des Artikels 2 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen.

B) Benachteiligungen von Jungen, Männern und Vätern sind geschlechterpolitisch zu thematisieren und zu beseitigen.

C) Jungen-, Männer- und Väterfeindlichkeit sind ebenso zu verurteilen und zu beseitigen wie Frauenfeindlichkeit.



DIE 12 FORDERUNGEN

1. Gleichberechtigung statt nur Frauenrechte

Art. 3 Abs. 3 GG muss konsequent angewandt werden. Menschenrechte müssen sowohl für Frauen wie für Männer gelten.

2. Gleichberechtigung statt Gleichmacherei

Unterschiede dürfen nicht einer ideologischen Gleichmacherei geopfert werden. Männer und Frauen haben das Recht, entsprechend ihrer individuellen Anlagen und Bedürfnisse zu leben.

3. Gleichberechtigung statt Frauenbeauftragte

Gleichstellungsbeauftragte dürfen nicht nur Frauen sein. Das führt nicht zur Gleichberechtigung. Wo es Frauenbeauftragte gibt, muss es auch Männerbeauftragte geben.

4. Gleichberechtigung im Familienrecht

Die Diskriminierung "Mama erzieht - Papa zahlt" nach einer Trennung muss abgeschafft werden. Kinder brauchen beide Eltern. Wir fordern das Wechselmodell als gesetzlichen Standard.

5. Gleichberechtigung bei der Elternschaft

Frauen können bestimmen, ob sie Mutter werden wollen. Männer werden oft Vater gegen ihren Willen oder ohne es zu erfahren. Wir fordern Gleichberechtigung der Väter und das Recht auf Kenntnis der Vaterschaft.

6. Gleichberechtigung bei Bildungschancen

Jungen erleben im Bildungssystem Nachteile. Mädchen und Jungen müssen gleichwertig gefördert werden.

7. Gleichberechtigung in der Arbeitswelt

Männer dürfen bei Einstellung und Beförderung nicht aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden.

8. Gleichberechtigung in der Wissenschaft

Wissenschaft und Forschung müssen frei von geschlechterspezifischen Bevorzugungen und Benachteiligungen sein.

9. Gleichberechtigung vor der Justiz

Gleiche Straftaten müssen unabhängig vom Geschlecht mit dem gleichen Strafmaß geahndet werden. Gegen weibliche Verdächtige muss genauso ermittelt werden wie gegen männliche.

10. Gleichberechtigung beim Gewaltschutz

Auch Jungen und Männer werden Opfer häuslicher und sexueller Gewalt. Wir fordern gleichen Schutz für Jungen und Männer sowie Schutz vor falschen Gewaltbeschuldigungen.

11. Gleichberechtigung im Gesundheitswesen

Die Erforschung, Pravention und Bekämpfung typisch männlicher Erkrankungen müssen gleichermaßen gefördert werden wie die typisch weiblicher Erkrankungen.

12. Gleichberechtigung in der öffentlichen Wertschätzung

Männer erbringen genauso wie Frauen ihre Leistung für Familie und Gesellschaft. Das muss genauso gewürdigt werden.


Abschließend weisen die Liberalen Männer darauf hin, dass jede der großen Parteien über eine Frauenorganisation verfügt und keine dieser Organisationen aufgelöst wurde, obwohl Frauen mit Männern inzwischen nicht nur gleichgezeogen, sondern sie überholt haben, was gleiche Rechte angeht, und heute Männer, Väter und Jungen diskriminiert werden. Ähnliches gelte für die 4.100 Frauenbeauftragten. Eine Selbstregulierung funktioniere in diesem Bereich offenbar nicht: "Zu lukrativ sind die Selbstbedienungsposten bei der Öffentlichen Hand. Es geht um Macht und Geld."

Die Liberalen sehen Männer in einer ähnlichen Position wie die Frauen in den siebziger Jahren. Sie müssen selbst für ihre Rechte eintreten. Keine andere gesellschaftliche Instanz werde diese Aufgabe übernehmen.

Das Kurzprogramm kann bei Christian Schmidt diskutiert werden.

Feminismus heute: Burka statt Bikini – News vom 19. August 2017

1. Die AfD wirbt mit dem Wahlplakat "Burkas? Wir steh'n auf Bikinis!", das zwei junge Frauen im Bikini von hinten zeigt. Gleichstellungsbeauftragte sind empört über diesen "Sexismus".

Nur um das noch mal klar festzuhalten: Den Gleichstellungsbeauftragten zufolge ist Kritik an der Burka gegen das Gesetz. Frauen im Bikini hingegen sind unzumutbar. So ungefähr lautet auch die Weltsicht des Islamischen Staats.

Feminismus im Jahr 2017. Darf man nicht kritisieren, weil das "anti-emanzipatorisch" und "frauenfeindlich" wäre.



2. Dorothee Beck und Barbara Stiegler geben in der Friedrich-Ebert-Stiftung die Broschüre "Das Märchen von der Gender-Verschwörung" heraus. Mark Smith zerpflückt sie.



3. In der "Frankfurter Rundschau" – deren Chefredaktion die Radikalfeministin Bascha Mika inne hat – fordert Regine Silvester, man solle "gerecht über Männer reden". Da sie aber schon ahnt, dass dieser Vorschlag in ihrem Umfeld ziemlich dreist daherkommt, baut sie schon mal im ersten Absatz vor:

In einem DDR-Schulzeugnis stand einmal: "Regine besitzt ein übertriebenes Gerechtigkeitsbedürfnis." Ich möchte diese Kritik als Entschuldigung für eine Veranlagung heranziehen, wenn ich gerechter über Männer reden will.


Immerhin sind der Autorin die Parallelen zwischen gegenwärtigem Feminismus und dem System der DDR klar.



4. Das Neueste aus der feministischen Fat-Acceptance-Bewegung:

Bradley University is telling fat people not to lose weight because it could be "dangerous," according to a project developed by the school’s Women’s Studies Program.

The "Body Project," created to fight against "fatism" and "weight discrimination," essentially tells students just that — don’t lose weight because it could be "dangerous" and cause an "increased risk of death."

In their section on "The Truth about Fat and Health," feminist professors argue that weight loss methods such as dieting and exercise "pose serious health risks" and that "the cure for obesity [is] worse than the condition itself."

Without citing any studies on the potentially FATAL consequences of obesity, the feminist profs argue that "the data linking fat with death and the data showing losing weight to be healthy are limited, fragmentary, and often ambiguous" and that weight loss can result in an "increased risk of death from cardiovascular disease."


Wie Toni Arikson in ihrem Artikel ausführt, ist Fettleibigkeit mit massiven Gesundheitsproblemen verbunden, die bis zum Tod führen können. Hierzulande geht die Psychotherapeutin und Ernährungsberaterin Dr. Nadja Hermann in ihrem Bestseller Fettlogik überwinden auf die oben skizzierten Mythen im Vergleich mit den wissenschaftlichen Tatsachen ein. Dass eine Universität sich in ihrem Fachbereich "Frauenstudien" lieber den Mythen anschließt, um gegen "Diskriminierung" vorzugehen, zeigt einmal mehr, wie gefährlich es werden kann, wenn man Ideologie den Vorzug vor Wissenschaft gibt.



5. Noam Chomsky, einer der international bekanntesten linken Intellektuellen, befindet: "Die Antifa ist ein Riesen-Geschenk für die Rechte."

Kritik an der Antifa? Wie lange es wohl dauert, bis man Chomsky als "rechts" bezeichnet?

Siehe zum selben Thema auch Jonah Goldberg: Fighting Nazis doesn't make "antifa" the good guys.

Freitag, August 18, 2017

Darum lassen manche Leitmedien keine Leserkommentare mehr zu

Die Reaktionen auf einen aktuellen Beitrag Birgit Gärtners auf Telepolis machen anschaulich, warum manche Leitmedien ihre Leserkommentare entweder ganz abgeschafft haben oder sie unter bestimmten Artikeln nicht mehr zulassen.

Gärtner gehört zu denjenigen Journalisten, die den gefeuerten Google-Mitarbeiter Damore noch immer für einen üblen Frauenfeind und damit für typisch halten, was eine Frauen unterdrückende Gesellschaft angeht. Schon im Titel des Beitrags wird Damore vorgeworfen, dass er "von vorgestern" ist. So enthalte sein Text Passagen wie "Ich glaube fest an die Unterschiedlichkeit von Geschlechtern und Rassen", was Gärtner in ihrem Text gleich an zwei verschiedenen Stellen zitiert. Ebenfalls gedoppelt wird der Vorwurf, dass Damore sich nach seiner Kündigung "in ultra-rechten Medien ausgeweint" habe. Dass Damore sich von Rechtsextremen distanziere, präsentiert Gärtner als einen durch den Todesfall in Charlottesville ausgelösten "Sinneswandel". (Tatsächlich gibt es keinen Beleg dafür, dass Damore jemals rechtsextremes Gedankengut vertreten hatte.) Die Integration von Frauen schließlich halte Damore "der psychischen Gesundheit der (männlichen) Beschäftigten nicht für zuträglich", sondern für einen "Akt der seelischen Grausamkeit".

Nach diesem Artikel ist die eigentliche Frage, wie ein solcher Ultra-Nazi wie Damore überhaupt so lange für Google tätig sein konnte.

In weiteren Ausführungen Birgit Gärtners geht vollkommen unter, dass Damore keineswegs Frauen aus seinem beruflichen Sektor heraushalten wollte, sondern nur nach intelligenteren Wegen als Diskriminierung suchte, um Frauen zu fördern:

Wir Frauen sind also nicht nur zu zart gebaut, sondern auch zu zart besaitet für die durch echte Kerle geprägte Arbeitswelt. Echte Kerle wie James Damore, Männer mit Visionen und hart im Nehmen, die ihre gut bezahlten Domänen mit Zähnen und Klauen verteidigen. Gegen Eindringlinge aller Art - vor allem aber gegen uns Frauen.

(...) Die häufig "Manifest" genannte Schrift und der Umgang des Konzerns mit dem doch eher ideenlos anmutenden Wiederkäuer ewig-gestriger Vorstellungen über die biologische Bestimmung der Frau, löste nicht nur in den USA heftige Debatten aus.

(...) Beobachtungen zufolge würden Männer, so Damore, selbst wenn sie direkt nach der Geburt kastriert würden und als Mädchen erzogen worden wären, sich trotzdem als Männer identifizieren. Woher hat er das bloß? In welcher Kultur oder Gesellschaft werden solch barbarischen Menschenversuche durchgeführt?


Auch dass Damore sich auf biologische Gegebenheiten beziehe, erscheint in Gärtners Text als menschenverachtend: "Der Punkt ist, dass unsere Biologie immer gegen uns Frauen verwendet wird" – und zwar auch um "sich gewaltsam an uns abzureagieren, was nicht selten zum 'Tod führt." Die letzte steile These schafft Gärter nicht einmal mehr irgendwie logisch zu begründen, aber irgendwie bereitet offenbar jeder, der beim Thema Geschlecht über biologische Faktoren spricht, dem Frauenmord die Bahn.

Es ist keine Überraschung, dass die Leser des Artikels ihn Birgit Gärtner nur so um die Ohren hauen – was diese als Beleg für typische frauenfeindliche Männeraggression wahrnehmen dürfte.

Der Leser Weird Wire etwa macht Gärtner darauf aufmerksam, dass sie die vermeintliche Äußerung Damores, die Gärtner gleich doppelt zitierte, schlicht falsch übersetzt hatte:

Man hat den Eindruck, daß die Autorin leider des Englischen nicht wirklich mächtig ist.

So wird aus

"I strongly believe in gender and racial diversity"

"Ich glaube fest an die Unterschiedlichkeit von Geschlechtern und Rassen."

Diversity heisst Vielfalt auf deutsch.


So wird jemand, der für eine Kultur unterschiedlicher Ethnien und Geschlechter eintritt, auf Telepolis zum Rechtsextremen geschrieben.

Der Leser Patenthalse beantwortet Birgit Gärtners polemisch gemeinte Frage "Woher hat er das bloß? In welcher Kultur oder Gesellschaft werden solch barbarischen Menschenversuche durchgeführt?" ganz sachlich mit einem Verweis auf den Fall David Reimer. Dirk Gehse beantwortet Gärtners Frage, woher Damore das bloß habe, mit "Aus wissenschaftlichen Studien, die er auch im Orginaldokument zitiert und verlinkt hat." Und er stellt klar, dass Damore keineswegs Frauenförderung als "seelische Grausamkeit" betrachtet, sondern unzufrieden ist mit der mangelnden Diskussionskultur bei Google.

Marmer bezeichnet die Behauptung, in der IT-Branche würden vor allem weiße Männer arbeiten, als "Lüge":

Es ist jedem bekannt dass Google weit ueberproportional Asiaten beschaeftigt und dass deshalb auch Weisse unterrepraesentiert sind. Natuerlich soll diese Luege dazu dienen, um ganz klar zu machen, wie rassistisch und sexistisch die Dinge in der IT-Branche laufen. Es soll Betroffenheit ob der angeblich so ueblen Aussagen von Damore geschaffen werden, damit seine Entlassung gerechtfertigt erscheinen soll. Die Linke will unsere Demokratie abschaffen und die freie Meinungsaeusserung durch einen neuen Totalitarismus ersetzen. Wir sind schon so weit, dass die Hetzer dazu aufrufen, jemanden zu bestrafen, der die These aufstellt, dass Frauen und Maenner unterschiedliche Praeferenzen haben koennten. Das muss man sich mal vorstellen. Das ist genauso, als wuerden die Kreationisten verlangen, dass man jeden, der eine darwinistische Idee aeussert, feuern sollte.

(...) Es ist voellig egal, ob eine Frau im Schnitt genauso schlau ist wie ein Mann. Es reicht, dass sie ihre Faehigkeiten im Schnitt fuer was anderes verwenden will, um die Beschaeftigungssituation bei Google zu erklaeren. Was muss man fuer ein kranker Geist sein, um solche sich natuerlich ergebende Dinge bekaempfen zu wollen? Woher kommt dieser totalitaere Impuls, den anderen Menschen die eigene Ideologie auf Teufel komm raus aufzwingen zu wollen? Warum hassen diese Menschen unsere liberale Welt so sehr? (...) Woher kommt diese Wissenschaftsfeindlichkeit? (...) Auf der Linken sind es gerade die Bestausgebildeten, die mit agressivsten Methoden gegen die Wissenschaftlichkeit vorgehen, wo es ihrem religioesem Empfinden und Machtwillen entgegensteht.


Wie gekonnt der Leser "djadmoros" Gärtners Artikel von Anfang bis Ende filetiert, sollte man am besten vollständig lesen. So erwidert er auf Gärtners Statement "Wir Frauen müssen Grenzen aufzeigen und unsere Rechte einfordern":

Wir Männer auch, und zwar insbesondere gegenüber einem institutionalisierten Bonzenfeminismus, der ideologieschwangere Elaborate wie das von Birgit Gärtner schon seit langem zur diskursiven Lufthoheit erhoben hat. Und genau das ist das Privileg, um dessen Verlust Frau Gärtner fürchtet.

Und das dürfte auch erklären, warum sie sich mit ihrer Falschdarstellung einen hoch aggressiven diskursiven Gewaltakt leistet.


An anderer Stelle merkt "djadmoros" an:

Das eigentlich Infame an Gärtners Artikel ist ja, dass sie das alles schreibt, nachdem sie eine Woche lang Zeit hatte, sich sachkundig zu machen. Als die erste Welle der Falschdarstellungen durch die deutsche Presse ging, konnte man das noch mit einer (mutmaßlich) fahrlässig übernommenen Tickermeldung erklären (entschuldigen schon weniger).

In Gärtners Artikel wird diese Falschdarstellung aber noch einmal aktiv nachziseliert. Im Dienste einer unkorrigierbar gewordenen Ideologie, in der sich das ganze Sektierertum des Feminismus offenbart.


Offenbar fühlen sich so manche Journalisten von einer derart vernichtenden Kritik ihrer Leser massiv gestört – erst recht wenn die Leser wesentlich ideologiefreier und sachkundiger sind als die Journalisten selbst. Worauf die Leserkommentare wesentlich besser bewertet werden als der eigentliche Artikel. Und genau deshalb werden unter bestimmten Artikeln die Kommentarspalten lieber von Anfang an dicht gemacht. Denn für die Alternativlösung – keine Beiträge mehr veröffentlichen, die mit Leichtigkeit zerpflückt werden können – fehlen verschiedenen Medien längst die Kapazitäten.

Eine faire Analyse von Damores Text findet man beim Gurian Institute ("Learning Through a Gender Lense") unter der Überschrift Let's Use Hard Science to Help Tech Companies Advance Women. Diese Einrichtung ist von Männerrechtlern weit entfernt, auch hier geht es in erster Linie um die Förderung von Frauen. Dem unbenommen unterscheidet sich diese Analyse von Birgit Gärtners Aufsatz wie der Tag von der Nacht. Ein Auszug:

On the day Google software engineer James Damore was fired for writing a Memo about Google’s diversity programs that went viral, my daughter Davita, 24, shot me a quick text: "Dad, I can’t believe they fired the guy. That was the wrong move." We met the next day and talked at length. The conversation was a wonderful blend of perspectives from a young millennial woman and a baby boomer man. Our conversation kept coming back to this point: Isn’t it time our culture and its businesses used science to solve gender issues rather than just ideological conformity?

For anyone who hasn’t followed this: Damore wrote a brief treatise on Google’s gender policies. His position was a moderate one, agreeing that there are gender gaps and calling for continued study and policy advancement to help women, but also suggesting that gender science, not just ideology, would help deal with the gaps effectively. Science, he argued, can bring more women in because it can help workplaces like Google make jobs more attractive to the various ways that women approach their work — some of those ways show difference from male approaches.

(...) This science is crucial to this conversation because Damore based much of his Memo on it. Both Davita and I wished he had footnoted his research — this might have helped him make his case more strongly - but the research he refers to is available to anyone who wants to pursue it.

(...) There simply is no single cause for gender gaps; rather, gender gaps exist for multiple reasons. In his Memo, Damore tried to make this point and his firing is reminiscent of what happened to Larry Summers, the president of Harvard University more than a decade ago, when he asked his academic community to expand its study of gender gaps in STEM to include all diverse areas of potential research, including neuro-biology. His call to push beyond ideological conformity to a multi-systems approach led to his termination and I felt for him and I feel for Damore. I also feel for academic institutions like Harvard and tech giants like Google. No one here is malicious; everyone is protective. Even Damore and Summers, who are accused of harming women by calling for expanded thinking, can see what Barbara Annis and other women have seen: ideological conformity is paralyzing real change for women.

The two firings hinge on the ideological concept that "gender differences" are really "gender stereotypes." But Damore and Summers were right: thousands of studies show clear and significant sex/gender differences between males and females. This science of gender difference does not show every female and male on the gender spectrum to be different in the same exact way; rather, it shows gender trait difference. Gender trait difference does not grow from culture-based stereotypes — they are facts and they appear in all cultures and races.

(...) With this knowledge in tow, a university or corporate hierarchy that posits the non-existence of gender trait difference is far behind the available science. It is like those people who claim evolution doesn’t exist or that climate change is a hoax. One can make those arguments ideologically, but that won’t stop evolution from continuing its growth patterns nor the earth from getting more climatologically volatile.

(...) The anti-science bias in [Google's decisison to fire Damore] has two faces, both well-meaning but both untrue. First, the science of gender difference is not gender stereotyping but, in fact, real, as the sources above will prove to any executive or person who studies them. Second, even if someone felt like that gender trait difference constituted untrue gender stereotypes, there is no hostility in the science. Hostility is, by its very nature, a violent attack on a person or group. Damore was not hostile nor violent; he was measured and scientifically accurate.

(...) Even more stunning, in my view, is the fact that ideological conformity using hostility as its battering ram often biases itself into doing the very gender stereotyping it is trying to protect women from! This happens unconsciously and takes over a corporate culture. Without realizing it, the corporation stereotypes women as so fragile they can’t be involved in either free speech or, even more interesting, scientific discussion. Institutions that keep this kind of gender stereotyping alive and well think they are protecting women from scientific discussion that might seem unsafe to them but miss the fact that this kind of ideological conformity utterly disempowers women.


Wir leben in der irrwitzigen Situation, dass Menschen, die Wissenschaft benutzen wollen, um Frauen zu fördern (ohne Männern zu schaden), von meinungsstarken Ideolog*_Innen als "rechts" etikettiert werden. Mehr noch: Diese bizarre Haltung hat in unseren Medien die Lufthoheit.

In meinem Buch "Plädoyer für eine linke Männerpolitik" trete ich für einen "Integralen Antisexismus" ein. Definiert habe ich diesen Ansatz so:

Die Bekämpfung von Sexismus gegen beide Geschlechter statt, wie es bislang häufig geschieht, gegen Frauenfeindlichkeit allein. Da der bisherige Ansatz selbst sexistisch ist, verspricht er bei der Bekämpfung von Sexismus nur begrenzten Erfolg. Integraler Antisexismus gehört zum Repertoire der Männerrechtsbewegung (Maskulismus).


Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben meines Erachtens gezeigt, dass für das maskulistische Konzept eines Integralen Antisexismus die Säule

1. Man sollte die geschlechtsspezifischen Problemlagen, Anliegen und Diskriminierungen aller Menschen (einschließlich der Männer) berücksichtigen.

noch zu kurz greift. Wesentlich für einen Antisexismus, der allen Menschen hilft, sind offenkundig zwei weitere Säulen:

2. Man sollte eine freie und offene Debatte ermöglichen, bei der die Sanktionen für abweichende Meinungen auf einer niederschweilligen Stufe bleiben (also zum Beispiel Widerspruch statt fristloser Entlassung).

3. Man sollte eine Debatte bewerkstelligen, die sich an der gegenwärtigen Forschungslage orientiert, dem Stand der Wissenschaft, statt den Wünschen von Ideologen, wie die Welt sein sollte.

Natürlich sind Säule 2 und 3 ohnehin Grundlage meiner Arbeit im Bereich Gender. Aber man sollte vielleicht einmal ausformulieren, dass diese Haltung auch Frauen nutzt und nicht allein Männern. Die radikalfeministische Dichotomie "Wissenschaft oder Frauenschutz" war schon immer scheiße.

Für das Schlusswort gebe ich zurück an das Gurian Institute:

Ultimately, the question our corporate leader must ask is: "Do I really believe human life is a dance between hostile men and fragile women?" If we think it is, we will keep firing the Summers and Damores of this world, and we will keep the culture conversation simplistic, not rigorous. But if we can come forward into the new millennium and accept complexity, we will move our corporate life toward more science and less ideological conformity.

Donnerstag, August 17, 2017

Wissenschaftsmagazine positionieren sich contra Gender und pro Männer – News vom 17. August 2017

1. Ach, SPD: Während die spezialdemokratische Frauenministerin Barley Drohungen gegenüber der Wirtschaft ausstößt, wenn diese nicht schleunigst Männer in Führungspositionen durch Frauen ersetzt, erklärt Julia Korbik im Parteiblatt "Vorwärts", dass es keine Beeinträchtigung der Meinungsfreiheit darstelle, wenn ein Mann wie James Damore wegen seiner Meinung seinen Job verliert: "Meinungsfreiheit bedeutet eben nicht, dass das freie Äußern der eigenen Meinung keine Konsequenzen hat." So ungefähr dachten die Machthaber in der DDR wohl auch. Ideologisch nähert man sich hier der SED-Nachfolgepartei immer weiter an. Die Wunschkoalition wird vorbereitet.

Männer wie Damore könnten "im Prinzip so frei wie niemand sonst ihre Meinung äußern", lamentiert Julia Korbik in den letzten Sätzen ihres Beitrags. "Ihnen wird zugehört. Immer." Korbik scheint in einer Phantasiewelt zu leben, in der die politischen Talkshows und die Debatten in der Presse gefüllt mit Beirägen von Männerrechtlern sind. Tatsächlich spricht über viele maskulistische Themen nur eine kleine Minderheit. Noch vor wenigen Wochen hatte die spezialdemokratische Frauenministerin Barley auf Twitter die Behauptung, sie habe sich auch mit Väterverbänden getroffen, als "Frechheit" zurückgewiesen.

Dabei ist der aktuelle Artikel im "Vorwärts" nur die neueste Empathielosigkeit, mit der sich die SPD im Wahlkampf gegen Männer zu profilieren versucht. Warum hasst eine ehemalige Arbeiterpartei die Männer so?



2. Hätte es Damores Job gerettet, wenn bei seinem Memo die Google-Selbstzensurhilfe "Perspectives" zum Einsatz gekommen wäre, fragt Gunnar Jeschke im "Freitag".



3. Ebenfalls um James Damore geht es in einem Artikel Rainer Meyers ("Don Alphonsos"), der nicht online steht, sondern auf Seite 13 der Printausgabe der "Frankfurter Allgemeinen" von heute zu finden ist. Der Beitrag ist überschrieben mit "Auf grenzenlose Empörung folgt ein langsames Umdenken", und er beginnt so:

"Bullshit Arguments", ruft die Frau in die Kamera, und damit es auch wirklich jeder versteht, erscheinen die Worte ganz groß über ihr. Bullshit Arguments sei das, was der Google-Programmierer James Damore in seinem Text geschrieben habe, und die gleichen Argumente benutzten auch die dazu eingeblendeten Eugeniker und rassistische Nazis. Es ist der 12. August 2017.


In den folgenden Absätzen schlüsselt Rainer Meyer auf, wie es zu der Hysterie der vergangenen Woche gekommen war und erwähnt dabei unter anderem ein Video der Technik-Website "Gizmodo", die Damores Memo öffentlich machte und Damore noch am Samstag in einem Video auf eine Ebene mit Nazis gestellt hatte. Auch auf ähnlich absurde Beiträge deutscher Medien wie der "Süddeutschen Zeitung", "Zeit" und Spiegel-Online geht der Artikel ein.

Damit war das Narrativ fixiert: Ein Mann hasst Frauen, hält sie für minderwertig und unfähig für Berufe im Techniksektor, hat Angst um seine Vormachtstellung und sollte gefeuert werden – und viele "weiße Männer" dächten genauso. Tatsächlich kam der Vorstandschef von Google diesem Wunsch nach. Der Schriftsteller John Scalzi hatte wörtlich gefragt, wann Google den "ignorant sexist shitball" feuern werde.


Rainer Meyer beleuchtet nun genauer den fragwürdigen Journalismus von "Gizmodo" und die traurige Vergangenheit dieser Website, um dann zu schildern, wie sich die öffentliche Meinung zugunsten Damores drehte, sobald nicht nur die "Gizmodo"-Fassung, sondern die vollständige Version seines Memos bekannt wurde.

Wenig erstaunlich, meldeten sich dann Wissenschaftler wie Debra Soh zu Wort, die nicht Damores Sichtweise stützten, sondern auch Fragen stellten, inwiefern das angebliche Manifest frauenfeindlich sei oder der Autor Frauen generell die Fähigkeit abspreche, in der Technikbranche zu arbeiten. Oder er gar, wie die "Guardian"-Autorin Jessica Valenti behauptete, schreibe, Frauen seien Männern unterlegen. (...) "The Federalist" dokumentierte, wie CNN die eigenen Beiträge umschrieb und die Bezeichnung "anti-diversity" strich – offensichtlich, weil Damore nicht nur gegen seinen Arbeitgeber, sondern auch gegen die Medien klagen kann.


In den US-amerikanischen Medien ist die Debatte inzwischen in der Realität angekommen. In der Propagandazentrale der SPD leider noch nicht.



4. In der "Zeit" immerhin wacht man allmählich auf, was den unfairen Umgang der Leitmedien mit James Damore angeht. In Jochen Bittners Artikel heißt es:

Wissenschaftliche Fakten interessierten aber weder den Google-Chef noch viele Journalistinnen und Journalisten, die über das vermeintlich skandalöse Memo Damores berichteten. (...) Auch Autorinnen auf ZEIT ONLINE und Spiegel Online unterstellten Damore flugs, ein Sexist zu sein.


Weite Teile von Bittners Artikel macht der Bericht über den Publizisten Harald Eia aus, der Norwegens Genderforschung als unwissenschaftlich und ideologisiert bloßstellte. Darüber hinaus führt Bittner den New York Times-Journalisten David Brooks an, "der sich lange mit Verhaltensforschung und Fragen zur Charakterbildung beschäftigt hat" und zu dem Schluss gelangte, "dass im Streit um genetische oder soziale Prägung die Evolutionsbiologen den Sieg davongetragen haben."



5. Im Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) beschäftigt sich jetzt auch die Journalistikprofessorin Marlis Prinzing mit den Schwarzen Listen, die Andreas Kemper für die Grünen über Feminismuskritiker anlegte. Ihr Urteil: So etwas sei "einer Demokratie nicht würdig":

Das ist eindeutig eine Form des Online-Prangers, bei der es um Ausgrenzung und Denunziation geht. Das hat mit einer demokratischen Auseinandersetzung wenig zu tun. Es ist erschreckend, was die Heinrich-Böll-Stiftung geliefert hat – dass eine Stiftung sich derart im Ton vergreift. Das befeuert das Publikum: Wenn die das dürfen, dann dürfen wir das erst recht.

(...) Es ist nicht in Ordnung, wenn man in der Nachbarschaft ein paar Leute mit dicken Prügeln sucht und gemeinsam auf andere losgeht – im übertragenen Sinne. Wir können es nicht gut finden, wenn jeder beginnt, Leute an den Pranger zu stellen, mit deren Auffassungen er nicht einverstanden ist. Da übernehmen Bürgerinnen und Bürger Funktionen, die nicht die ihren sind.

(...) Im Mittelalter war der Pranger als Strafe üblich. Man hat die Verurteilten öffentlich ausgestellt und mit faulem Obst beworfen. Durch die Aufklärung haben wir das überwunden. Der digitale Pranger führt uns wieder in mittelalterliche Verhältnisse zurück.

(...) Da gehen Hetzjagden los, die niemand mehr kontrollieren kann. Das kann zu Cybermobbing führen. Man wird online gejagt und empfindet derart Gewalt, dass man keinen anderen Ausweg mehr sieht, als sich etwas anzutun, sich umzubringen. Dafür gibt es Beispiele.


Die Wikipedia wird übrigens von Menschen, deren Denken im Mittelalter stecken geblieben ist, immer noch als Pranger genutzt. Weder dort noch bei Andreas Kemper und seinem Umfeld scheint man sich über die von Professorin Prinzing geschilderten möglichen Schäden irgendwelche Gedanken zu machen. Fehlende Moral wird durch ideologisiertes Moralisieren ersetzt. Hier stellt sich die Frage, ob die von Prinzing angesprochenen Hetzjagden nicht in Wirklichkeit gewollt sind. Sobald irgendwo ein männerfreundlicher Genderkongress stattfindet, gehen die Jäger ja auch unweigerlich auf Ausritt, um hineinzupreschen. Mitunter mündet das in Gewalt.

Respekt für das SRF übrigens, wenn man dort von "angeblichen Antifeministen" spricht, statt die Definition des Prangers einfach so zu übernehmen, wie es andere Medien getan haben. Ich selbst beispielsweise bezeichne mich bekanntlich nicht als Antifeminist. Aber schon wenn man Kritik am Feminismus äußert, wird man durch die Sehschlitze eines zu engen Visiers nur als Gegner wahrgenommen, den es auszuschalten gilt.



6. Wie der Daily Caller berichtet, wurde an der kanadischen Universität eine Diskussionsveranstaltung zur Redefreiheit abgesagt, weil die Sicherheit auf dem Campus nicht gewährleistet werden konnte:

Ryerson University canceled a panel Wednesday dedicated to discussing the silencing of free speech on college campuses, citing "campus safety."

The Canadian school canceled "The Stifling of Free Speech on University Campuses," an Aug. 22 panel featuring three doctors and a pro-free speech journalist, citing a prioritization of "campus safety" over free speech "in light of recent events," according to correspondence obtained by The Daily Caller News Foundation.

Social justice activists set up a Facebook page entitled "No Fascists in Our City!" to protest the event. The page’s header image depicted a swastika crossed out.

"Fascists are planning to meet on August 22nd at Ryerson University to discuss how to avoid what they call ‘SJW’ Culture," the protest description reads. "Tickets are being sold for $20 and frankly it makes us virulently ill … Considering the rise of Nationalism here and abroad we need to show these people and their guests that we will not tolerate their backward nonsense in our city."

Approximately 500 individuals signed up for the protest, with nearly 2,000 others stating that they were interested. Sarina Singh, a Ryerson graduate who was hosting the free speech event, received a call from Ryerson Wednesday morning informing her of the event’s cancellation.

"The reason cited was security concerns and safety of the community," Singh told TheDCNF.

Singh noted that people from the U.S. had planned on attending the event, and that some people were taking time off work to attend.

"I made three requests, suggested getting Toronto police involved for safety, [but the university] told me my event was canceled PERMANENTLY," the event organizer said.

"There is often a tension at universities resulting from our commitment to be a place for free speech and our commitment to be a place that is civil, safe, and welcoming," Michael Forbes, a communications officer for Ryerson, told TheDCNF. "In light of recent events, Ryerson University is prioritizing campus safety."

The free speech panelists expressed disappointment with backlash to the event and the university’s decision.

"[Progressive activists] were calling me a Nazi, a fascist, and an anti-Semite," Dr. Gad Saad, a Concordia University marketing professor and one of the panelists, told TheDCNF. "I’m Jewish. So, they’ve lost the plot. It’s a form of lunacy that’s difficult to diagnose."

(...) "Apparently supporting freedom of speech makes you a Nazi these days," Saad told TheDCNF. "I think our existence is now hate speech … that I exist as an independent person who spews his thoughts freely is an affront to those who wish to control me … Orwell couldn’t have come up with the realities that we’re facing today."

Saad noted that people who express incorrect opinions get beheaded in the Middle East. He said that while the West was not yet at that stage, activists could "do the next best thing" and go after a speaker’s livelihood, reputation, and platform to speak. He suggested that "cowardice is the eighth deadly sin," and that universities did not possess the "effort, courage, and testicular fortitude" to stand up to those trying to silence speech.

"You never pacify thuggery. You don’t pacify someone who’s trying to rape you. These people are intellectual terrorists. They’re rapists of truth," Saad added.


Bei der SPD würde Julia Korbik vermutlich argumentieren: "Meinungsfreiheit bedeutet eben nicht, dass das freie Äußern der eigenen Meinung keine Konsequenzen hat." In diesem Fall nun mal die Gefahr, dass die tapferen Vorkämpfer für Gleichstellung und Emanzipation den Campus in Trümmer legen.

Die kanadische National Post lässt den Totalitarismus-Kritiker Jordan Peterson in dieser Debatte zu Wort kommen:

Peterson said the cancellation is "an indication of the crazy absurdity that characterizes the current political situation. There’s an element of surrealism to it."

But he has increased sympathy for a safety argument, he said, given the "inflamed rhetoric" the protesters used.

"I think there’s no excuse for what they’re doing, with the Nazi symbolism. It’s very, very dangerous to engage in that kind of casual vilification," he said.

(...) What happens next, Peterson said, “depends on how rapidly the positive feedback loop between extremists on both ends of the political spectrum expands, and how effectively sensible people in the middle are at dampening it.

"It’s like people are batting back and forth a bomb that gets bigger every time someone hits it," he said. "They’re not attending to the fact that with each mischaracterization they alienate a larger part of the population. It’s a very bad idea."




7. Was heute als "links" firmiert, ist inzwischen reaktionärer, als es viele Konservative jemals waren. So wird aktuell einer der ältesten erotischen Romane der Weltliteratur, John Clelands "Fanny Hill", auf studentischen Druck hin aus den Universitäten verbannt. Der 1749 veröffentlichte Roman schilderte erstmals und für diese Zeit sehr gewagt das Leben einer Prostituierten bis hin zu den Risiken von Krankheiten oder Schwangerschaft und der Andeutung von Verhütungsmethoden und gilt damit als Klassker nicht nur seines Genres sondern in der Weltgeschichte der sexuellen Aufklärung überhaupt. Die deutsche Wikipedia berichtet über die Zensurgeschichte dieses Werks:

Cleland schrieb das Buch im Londoner Schuldnergefängnis. Nach der Veröffentlichung des Buches brach ein breiter öffentlicher Aufruhr (Eklat) los; die anglikanische Kirche forderte "die weitere Verbreitung dieses abscheulichen Buches zu beenden, das eine offene Beleidigung der Religion und guten Sitten ist" ("to stop the progress of this vile Book, which is an open insult upon Religion and good manners"). Das Buch wurde verboten und Cleland, mittlerweile aus dem Schuldnergefängnis entlassen, wieder unter Arrest gestellt.

Es kam auch zu heimlichen Veröffentlichungen in den USA, Fanny Hill wurde 1821 dort wegen Obszönität verboten. Erst 1966 hob der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten dieses Verbot wieder auf. In Australien darf das Buch bis heute nicht verkauft werden.

Eine erste, anonyme Übersetzung von Clelands Briefroman erschien bereits 1791 mit fingiertem Verlags- und Erscheinungsort; doch wird oft die von Erich Feldhammer besorgte, 1906 im Verlag von C.W. Stern mit Illustrationen von Franz von Bayros erschienene Ausgabe als die erste deutsche Übersetzung angesehen, auf die zahllose weitere Ausgaben folgten. Sie wurden alle indiziert und als unzüchtig beschlagnahmt. Noch 1964 wurde vom Verleger Kurt Desch eine limitierte Luxusausgabe aufgelegt, die ebenfalls wegen Verbreitung pornographischer Schriften nach § 184 StGB indiziert wurde. Dagegen prozessierte der Verleger. Die Indizierung wurde noch 1968 von einem Münchener Gericht bestätigt. Erst am 22. Juli 1969 entschied der Bundesgerichtshof in Karlsruhe, "dass Fanny Hill zwar ein Werk der erotischen Literatur, aber keine unzüchtige Schrift sei". Seitdem darf das Werk in Deutschland frei verkauft werden.


Jetzt wird an britischen Universitäten die Uhr der Zensur zurückgedreht zu der Zeit, als das Buch veröffentlicht wurde – weil linke Studenten nicht ertragen, wie "heteronormativ" es ist:

Nearly 270 years on, it seems that modern day students are proving equally squeamish, as Fanny Hill, the first ever erotic novel written in English, has been dropped from the University of London curriculum for fear of offending students.

(...) The book incensed the British clergy and censors upon its publication. However, heteronormative descriptions in Fanny Hill of "maypole[s] of so enormous a standard" appear to be proving too much for university students.

Judith Hawley, professor of 18th-century literature at Royal Holloway, University of London, said that after decades of teaching the provocative text on various courses, Fanny Hill is being dropped from the latest curriculum following a consultation with students.

Speaking on a Radio 4 discussion on sex and freedom of speech, Dr Hawley said that including pornographic texts on any syllabus risked students "slap[ping her] ... with a trigger warning".

"In the 1980s I both protested against the opening of a sex shop in Cambridge and taught Fanny Hill," she said.

"Nowadays I’d be afraid of causing offence to my students, both that I can understand why a senior academic imposing a pornographic text on the students would come across as being objectionable and that the students would slap me with a trigger warning [so] that I now self-censor myself."

One of the most heavily censored texts of the English literary canon, Fanny Hill has been removed completely from the course "The Age of Oppositions, 1660-1780", which examines libertine literature.

(...) Dr Hawley also confirmed that students had complained about a number of other texts, including Room by Emma Donoghue, the story of a young boy held captive with his abductee mother, and Shakespeare’s King Lear.


Dann dürfte es ja nicht mehr lange dauern, bis auch Shakespeare aus britischen Universitäten verbannt wird.



8. Im Wissenschaftsmagazin "Scientific American" erörtert Michael Shermer, wie Feminismus und Gender so wissenschaftsfeindlich geworden sind. Ein Auszug:

How has it come to this? One of many trends was identified by Weinstein in a Wall Street Journal essay: "The button-down empirical and deductive fields, including all the hard sciences, have lived side by side with ‘critical theory,’ postmodernism and its perception-based relatives. Since the creation in 1960s and '70s of novel, justice-oriented fields, these incompatible worldviews have repelled one another."

In an article for Quillette.com on "Methods Behind the Campus Madness," graduate researcher Sumantra Maitra of the University of Nottingham in England reported that 12 of the 13 academics at U.C. Berkeley who signed a letter to the chancellor protesting Yiannopoulos were from "Critical theory, Gender studies and Post-Colonial/Postmodernist/Marxist background." This is a shift in Marxist theory from class conflict to identity politics conflict; instead of judging people by the content of their character, they are now to be judged by the color of their skin (or their ethnicity, gender, sexual orientation, et cetera). "Postmodernists have tried to hijack biology, have taken over large parts of political science, almost all of anthropology, history and English," Maitra concludes, "and have proliferated self-referential journals, citation circles, non-replicable research, and the curtailing of nuanced debate through activism and marches, instigating a bunch of gullible students to intimidate any opposing ideas."

Students are being taught by these postmodern professors that there is no truth, that science and empirical facts are tools of oppression by the white patriarchy, and that nearly everyone in America is racist and bigoted, including their own professors, most of whom are liberals or progressives devoted to fighting these social ills.


Es wird höchste Zeit, dass ein anerkanntes Magazin wie "Scientific American" die Wissenschaft endlich vor dem Genderlager zu verteidigen beginnt.



9. In einem anderen populärwissenschaftlichen Magazin, "Psychology Today", spricht der weltweit bekannte Psychologe Philip Zimbardo über den "Empathy Gap" zu Lasten von Männern. Ein Auszug:

While more and more young women are soaring in education and beyond, a recent Congressional Budget Office report revealed one out of six young men is either not working or is incarcerated — a 45 percent increase since 1980. Mass shootings have tripled since 2011, with the majority being carried out by young men, while young male suicide rates have increased 50 percent since 1994.

There is an empathy gap in society when it comes to having compassion for the challenges boys and young men face, the issues that underlie the statistics above.

Nobody sees investing in boys’ development as "worth it" and as a result boys today are growing up and deciding that it is not worth it for them to invest their time and energy back into their communities.

When Nikita Coulombe and I conducted a 20,000-person survey trying to better understand what is causing motivational problems in young men, the number one answer chosen by young men themselves was: conflicting messages from media, institutions, parents, and peers about acceptable male behavior.

With the rise of "toxic masculinity" classes on college campuses, masculinity itself is almost treated as a disease. Yet there is a decreasing number of positive male role models showing younger men the path to acceptable manhood.

(...) Young men deserve our compassion and guidance. Being a young adult is hellish enough without the added burden of being demonized by society. Growing up in poverty, I saw the difference a mentor could make. If we alienate our sons we’re going to lose a whole generation, to say nothing of the ripple effects that impact us all.




10. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Erfreulich ist, dass selbst beim "Vorwärts" die Leserbeiträge dem faktenresistenten Text inzwischen diametral entgegenstehen. Sowas kann Genderist*Innen ja glatt in den Wahnsinn treiben. Die Süddeutsche Zeitung hat sich dehalb selbst immunisiert, indem sie gar keine Leserkommentare mehr zulässt. Schließlich hat ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern gegenüber ja eine Fürsorgepflicht Mal sehen, wann der "Vorwärts" diesem Beispiel folgt.

Kommentare bis heute, 15 Uhr (Auszug):

Kai Doering auf den ersten ablehnenden Kommentar:

"Wie Sie sehen, handelt es sich bei dem Text um einen Beitrag im Rahmen unserer Debatte über die Frage, ob Feminismus noch benötigt wird. Deshalb liegt der Fokus hier auf weiblichen Opfern (häuslicher) Gewalt."

Sigmundus Alkus:

"Der Artikel belegt aber nicht die Notwendigkeit von Feminismus, sondern wiederholt nur dessen Mythen über häusliche Gewalt. Er arbeitet fast ausschließlich mit falschen Behauptungen."

Stefan E.:

"Wenn Sie den Fokus auf Gewalt gegen Frauen legen, weil Sie über die Notwendigkeit des Feminismus debattieren wollen, dann kann dabei natürlich nur herauskommen, dass Feminismus notwendig ist. Für ein wirkliche Debatte über die Notwendigkeit des Feminismus müssten Sie sich der Frage stellen, ob Frauen tatsächlich häufiger Opfer häuslicher Gewalt werden als Männer."

Siehste. Nun hat sich Kai EINMAL aus seinem Safe-Space herausgetraut. Und schon gibt es keine Standing Ovations mehr.


Auch weitere Kommentare unter dem Beitrag zeigen, dass sich "Vorwärts"-Leser nicht länger für dumm verkaufen lassen.

Aber was mir auffällt: Doering zufolge führt der "Vorwärts" eine DEBATTE darüber, ob der Feminismus noch notwendig sei? Ohne Artikel, die eine Gegenposition beziehen? So stellt sich die SPD also eine "Debatte" vor. Ich sag's ja, dort wird immer mehr Richtung SED-Logik argumentiert.

Unsere Gesellschaft benötigt dringend mehr Liberalität und weniger Fake News a la SPD.

Mittwoch, August 16, 2017

Sexismus: Werberat sieht "weit überzogene Protestkultur" – News vom 16. August 2017

1. Wie mehrere Medien berichten, beklagt der Deutsche Werberat immer mehr "überzogene Beschwerden" gegen vermeintlich sexistische oder diskriminierende Werbung. Im Berliner Tagesspiegel heißt es:

Der Deutsche Werberat hat eine "zum Teil weit überzogene Protestkultur" gegen vermeintlich sexistische oder geschlechterdiskriminierende Werbung beklagt. Im ersten Halbjahr 2017 habe sich der Trend zu überzogenen Beschwerden in diesem Bereich weiter fortgesetzt, teilte das Kontrollgremium der Branche am Dienstag bei der Vorlage seiner Halbjahresbilanz in Berlin mit. Von den 150 dazu eingegangenen Meldungen hätten sich zwei Drittel als gegenstandslos erwiesen.

"Verfestigt hat sich hierbei der Trend der vergangenen Jahre, wonach den Werberat zu diesem Thema besonders viele überzogene Beschwerden erreichen und die Beschwerdeführer nur ihre eigenen Maßstäbe gelten lassen wollen", erklärte die Einrichtung. Bei 67 Prozent dieser Beschwerdefälle hätten keinerlei Verstöße gegen die "weithin anerkannten Verhaltensregeln des Werberats" vorgelegen. Es entstehe der Eindruck, dass derzeit vor allem Internetwerbung "organisiert unter Beobachtung gestellt" werde, um insbesondere in der Rubrik geschlechterdiskriminierende Werbung Verfahren beim Werberat anzustrengen, teilte dessen Sprecherin Julia Busse mit.




2. Vor einigen Jahren wurde die Goslarer Gleichstellungsbeauftragte Monika Ebeling aus ihrem Amt entlassen, weil sie sich auch für Jungen und Männer einzusetzen begann und dabei auch männliche Opfer von Gewalt thematisierte. In verschiedenen Publikationen wurde sie als Unterstützerin der fiesen Männerrechtler angeprangert, die dasselbe tun.

Heute titeln die "Regionalnachrichten Goslar": Ralf Moeller unterstützt WEISSEN RING bei Gewalt gegen Männer. In dem Artikel heißt es:

Laut polizeilicher Kriminalstatistik liegt der Anteil der männlichen Opfer bei den angezeigten, der Polizei bekannten Straftaten mit sogenannter Opfererfassung bei 60 Prozent. Darüber hinaus sind laut Statistik knapp 64 Prozent aller von Körperverletzung betroffenen Opfer männlich. Allerdings nehmen männliche Opfer nach einer Straftat nur selten Hilfe in Anspruch. "Das Thema ist mit einem Tabu belegt", sagt Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des WEISSEN RINGS. Häufig hielten Angst und Scham Männer davon ab, sich Hilfe zu holen. Festgefahrene Rollenbilder und Vorurteile, dass männliche Opfer immer stark sein und sich wehren können müssten, gehörten zu den Gründen hierfür. Oder das Umfeld eines Opfers nehme dessen Hilferuf nicht ernst genug. Die Botschaft von Ralf Moeller: "Sei stark, hol dir Hilfe!" Dies sagt der Schauspieler in einem Videoclip, der unter anderem über die Social Media-Kanäle und über die Website des WEISSEN RINGS abrufbar ist.


Männerrechtlern, die dasselbe taten, wurde vorgeworfen, einen "Opferdiskurs wie Rechtsradikale" zu pflegen, was als Beleg für die starke gedankliche Überenstimmung dieser beiden Gruppen gelten könne. Aus der Sicht mancher stark ideologisierter Linker hat ein Mann, der nicht rechts sein will, immer noch eine feste Eiche im Sturm zu sein und soll gefälligst leiden ohne zu klagen.



3. Der britische Telegraph berichtet über eine Männergruppe, die Straftätern hilft, eine "positive Männlichkeit" zu entwickeln:

Webster explains that much of the charity’s work focuses on breaking down notions of masculinity for mentors and mentees alike, and helping the group work together to ask what it means to be a man. "Most of the men have a traditional story of being told that as a man you couldn’t be gay, you couldn’t be weak in a fight, you couldn’t cry. All of the things we can look back on, thankfully, now and say ‘wow, that was a heavy coat to be wearing'. A lot of them don’t have structural role models, so their energy doesn’t have direction and becomes quite destructive. They still have those messages internalised about what it is to be a man and that can get them into trouble; undirected energy, with no support network."

(...) Despite the many challenges they face, Webster is hopeful about the direction modern masculinity is taking. "You’ve got members of the Royal family talking about what it was like to be depressed. That’s wonderful. You have professional sportsmen who are talking about depression and how talking is so important. It’s just changing the landscape. People are sharing their journeys quite openly, whether it be sportsmen and famous people or men talking in pubs. I do have hope."




4. Der feministische Guardian öffnet sich einem anderen Thema der Männerrechtsbewegung: der hohen Rate an Männern unter Selbstmördern:

Suicide is the biggest killer of men in Britain between the ages of 20 and 50, but we seem only to talk about it when famous men die. (...) While it’s progress that we talk about male suicide when the Robin Williamses or the Chester Benningtons of this world take their own lives, if we don’t carry on the conversation, if the hashtags only last a day or two, then I think we’re failing. We need to open the conversation for everyone and retrain the way we all think about suicide.

Men who speak up about depression or illness and talk about what’s going on in their heads are usually the exceptions. But a lot of the blame for the silence lies with us as more broadly as a society. Online, behind the comfort of a screen, people will say that it’s OK for young men to cry – it’s OK not to be OK seems to be the buzz phrase of late – but when it comes to listening to men or giving them practical help, the support is non-existent.




Während das alles deprimierende Themen sind, zeigen die obigen Meldungen doch immerhin, dass der Geschlechter-Diskurs allmählich aufbricht und Männer nicht mehr lediglich als Monster, Trottel oder Hindernisse für Frauen beim Aufstieg gesehen werden. Unter diesem Blickwinkel ist das der erste Blogbeitrag seit langer Zeit, der überweigend aus positiven Nachrichten besteht. Zum ersten Mal seit Jahren wäre heute noch nicht einmal der grüne Online-Pranger in einem Genderama-Beitrag erwähnt worden, wenn das dieser letzte Satz hier nicht wieder versaut hätte.

Dienstag, August 15, 2017

Ex-Präsident des Lehrerverbandes beklagt "Faschismuskeule für Gender" – News vom 15. August 2017

1. Auf der Website des Journalisten Roland Tichy schildert Oberstudiendirektor Josef Kraus, vormals Präsident des deutschen Lehrerverbandes, wie eine "Kleine Anfrage" der Partei Die Linke Genderkritiker mit den Nationalsozialisten des Dritten Reichs vergleicht.



2. In dem Artikel "Die verlorene Ehre der Böll-Stiftung" blickt jetzt auch die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) auf den Online-Pranger der Grünen zurück. Dabei bewertet es Claudia Schwartz, die Verfasserin des Artikels, als gutes Zeichen, dass der Pranger nur von kurzer Dauer war:

Weil sich hier zeigt, dass es hilft, wenn über die niederen Triebe solcher Anschwärzpraxis öffentlich debattiert wird. (...) Es ist hier jene aufklärerische Verve für eine bessere Welt am Werk, die unter dem Deckmäntelchen gesellschaftlicher Gerechtigkeit Denunziation betreibt. Dieses im Netz beliebte Verfahren gründet wahlweise auf persönlichen Animositäten oder ideologischen Differenzen und rechnet immer mit einem voyeuristischen Publikum, das seine Gewissensbisse getrost ablegt, wenn das Ganze angeblich einem guten Zweck dient.

(...) Denunziation schlägt nicht selten auf den Denunzianten zurück. Und hier wird nicht mit überzeugenden Argumenten für gute Politik gekämpft, sondern es wurde eine persönliche Beschädigung des politischen Gegners angezettelt. Man fühlt sich an die Worte des namengebenden Heinrich Böll erinnert, der seinerzeit angesichts des Boulevardjournalismus und dessen Umgangs mit dem RAF-Terrorismus feststellte, dass die "Gewalt von Worten" schlimmer sei als jene von Ohrfeigen und Pistolen.




3. Gewalt durch Worte legt auch das Parteiblatt der SPD an den Tag: Es macht die Hälfte aller Opfer häuslicher Gewalt weiterhin unsichtbar.



4. Wer immer noch nicht verstanden hat, wie die US-Amerikaner jemanden wie Donald Trump zum Präsidenten wählen konnten: Beamte des weißen Hauses unter Obama befürworten die Entlassung des Google-Mitarbeiters James Damore. Nun hatte Damore in den letzten Tagen von vielen Wissenschaftlern, Frauen wie Männern, Unterstützung erhalten. Sollten diese Wissenschaftler auch alle entlassen werden, wenn es nach Obamas Leuten geht?

Einer meiner Leser weist mich auf einen weiteren Artikel in dieser Debatte hin, den er außerordentlich gelungen findet und der eine Antwort auf einen früheren Beitrag darstellt:

In den Kommentaren geht es noch ein wenig hin und her zwischen beiden Autoren. Ich finde das ein gutes Beispiel dafür, wie die Diskussion zum Thema auf einer sachlicheren Ebene laufen kann.


Für das liberale Magazin "Reason" hat die männer- und wissenschaftsfreundliche Feministin Cathy Young James Damore interviewt. Ein Auszug:

CY: Did you give a lot of thought to gender and diversity issues before that summit? Some of your citations suggest that you did a fair amount of reading on the subject.

JD: I had been thinking about it for a while, and had many personal discussions in addition to research.

CY: Who are some of the authors or commentators you've followed on gender issues?

JD: Sheryl Sandberg, Warren Farrell, Christina Hoff Sommers, Camille Paglia, Rebecca Solnit.

CY: Who do you think comes closes to your point of view?

JD: It's hard to say because I think they all have legitimate things to say and sometimes just talk about different areas. Maybe Christina Hoff Sommers, but obviously, I don't have 100% agreement with any of them.

(...) CY: What would you say was the gender ratio of the people who read it and gave feedback? And were there any noticeable differences of opinion between the men and the women?

JD: I don't know about the actual ratio, but there were positive and negative responses from both men and women. In my experience, it largely depended on how much the reader was in the "progressive echo chamber" that I described in the document.

CY: So, among the women who work at Google, there are many who don't agree with the standard progressive view of women in tech — i.e. that all disparities are due to sexism?

JD: Correct, and many of them are tired of being made to feel like victims by that narrative.

CY: What were the negative responses you received?

JD: Most were just name-calling or public shaming. I did get a few personal threats, though.

CY: Of violence, or retaliation within the workplace?

JD: There were some threats of violence and many public displays of retaliation within the workplace — i.e. internally public posts stating that they will never work with me and will sabotage my projects.

CY: Even before the memo went public?

JD: Right.

CY: Did anyone speak out in your support when those threats were made?

JD: Some brave souls did.

CY: Both men and women?

JD: Yes. But no one in upper management, because it would have been career suicide to defend me.

Montag, August 14, 2017

Volker Beck kempert auf Twitter, die autoritäre Linke erzeugt Gegenwehr – News vom 14. August 2017

1. Nicht nur "Don Alphonso" hat es vermisst, dass sich Grünen-Politiker öffentlich von Andreas Kempers Schwarzen Listen über ideologisch missliebige Personen distanziert haben. Das geschah nur hinter vorgehaltener Hand. Jetzt meldet sich erstmals ein prominenter Grüner öffentlich zu dieser Aktion.

Leider ist es Volker Beck.

Dr. Matthias Stiehler vom Vorstand des Dresdner Instituts für Erwachsenenbildung und Gesundheitswissenschaft hatte Becks absonderliche Haltung schon vor Jahren in einem Offenen Brief ("Die Linken sind die neuen Konservativen") kritisiert:

Was ist eigentlich mit der Linken los, wenn Männer, die auf problematische Seiten ihrer Situation aufmerksam machen, bei ihr auf massive Widerstände stoßen? Es trifft sie Hohn ("Ach, die Ärmsten!"), Denkverbote (Volker Beck, Bundestagsabgeordneter der Grünen, wischte beispielsweise die Frage nach gesellschaftlichen Benachteiligungen von Männern auf einer Tagung seiner Partei zur Männergesundheit im Frühjahr 2008 mit der Bemerkung beiseite, das wäre ein "Imitieren der Frauenbewegung" und "Opferkonkurrenz") und Diffamierung (das sei "Geschlechterkampf von rechts", so die Friedrich-Ebert-Stiftung). Männer, die sich sachlich oder polemisch der Frage nach Ungerechtigkeiten gegenüber Männern stellen, werden heute ebenso abgetan, wie die Aktivistinnen der Frauenbewegung vor mehreren Jahrzehnten. Nur dass damals noch die Konservativen die Konservativen waren. Heute sind es die Linken.




2. Aber es gibt auch Konstruktiveres als die Einlassungen Volker Becks: Wie mir die Filmemacherin Joanna Bielinski in einer Mail mitteilt, hat sie für einen Kurzfilm über häusliche Gewalt an Männern Unterstützung von der hessischen Filmförderung erhalten, benötigt für das Aufbringen der restlichen Summe aber Hilfe durch Spenden. Dabei arbeitet sie ähnlich wie vor wenigen Jahren Cassie Jaye ("The Red Pill") mit einer Crowdfunding-Kampagne und bittet Genderama-Leser um Unterstützung.

Auf der verlinkten Website stellt Bielinski ihr Projekt in einem kurzen Video vor. Die finanziellen Mittel decken die reinen Produktionskosten; so wie wir Männerrechtler arbeitet auch das Team um Joanna Bielinski ehrenamtlich an diesem Projekt.

Jeder Zugriff auf die eben verlinkte Website hilft schon dabei, dass dieses Filmprojekt auf der Liste der Spendengesuche oben bleibt.



3. Kämpfer für die Meinungsfreiheit in den USA rufen zu einem March on Google auf:

The March on Google stands for free speech and the open discussion of ideas. We condemn violence and silencing free speech as a means of promoting any political agenda.

Any individual attempting to incite violence during the March on Google will not be part of our event.

Freedom of Speech is a Human Right.


Die Aktivisten wehren sich gegen Unterstellungen, die sie in Verbindung mit radikal Rechten bringen – was heutzutage etlichen Vorkämpfern für die Meinungsfreiheit passiert.

Währenddessen erklärt das Areo Magazin Journalisten, die sich über das Memo des gefeuerten Google-Mitarbeiters empörten, die Grundlagen der Statistik.



4. Die Post. Einer meiner Leser verweist auf einen anderen Leserkommentar bei Don Alphonso, der ihm sehr gefallen hat. Er ist einer von inzwischen 564 Kommentaren zu "Don Alphonsos" Artikel über James Damore und Google:

Ich muss gestehen, ich (klassisch linksliberal; mein Definition von Linkssein ist demnach eine andere als die der postmodernen Linken) war entsetzt über die Berichterstattung. Wirklich entsetzt.

Damore hat nichts anderes gesagt, als daß es a) andere Gründe für die Unterrepräsentation bestimmter Gruppen in bestimmten Feldern gibt als pure Diskriminierung, und b) ob es daher nicht sinnvoll wäre, Unternehmenspolitiken eben nicht ausschliesslich auf der Basis dieser einen Hypothese auszurichten.

Dabei hat Damore gleich zwei heilige Kühe der postmodernen Linken geschändet.

i) Unterschiede bei bestimmten Outcome-Parametern (Macht, Wohlstand) entstehen _immer_ durch Unterdrückung. Das ist das Spiel der PC-Linken. Identifiziere in irgendeinem gesellschaftlichen Bereich die Verlierer, und erkläre die Sieger zu Unterdrückern. Die postmodernen Peudolinken werden _niemals_ zugeben können, daß es andere Gründe für ungleiche Verteilungen geben kann. Es ist deren Druckmittel. Ist es weg, ist deren ganze Narrative, die ganze moralische Überlegenheit ist dahin. Daher weigern sich beispielsweise viele Gender-Soziolog*innen beharrlich "biologistischen" Weltsichten auch nur den kleinsten Raum zuzugestehen.

ii) In der postmodernen Linken darf es keinerlei Beschränkung im hedonistisch-narzisstischen Ausleben der eigenen Individualität geben. Wenn Menschen ohne Arme keinen Handballverein finden können, ist das eben Unterdrückung. Wer anmerkt, daß es armlosen Menschen schwerfallen wird, Handball zu spielen, ist ein Ableist. Also muss man eben irgendwie Handball ohne Hände spielen dürfen.

Für diese Schändungen heiliger Werte (-> Haidt) wird Damore behandelt wie ein babymordender Frauenschänder mit SS-Gesichtstätowierung. Man konnte live mitanschauen, wie die gesammelte (deutsche) Medienlandschaft mit Absicht gelogen, misrepräsentiert und verzerrt hat.

Obwohl wir alle nur einen Mausklick von der Wahrheit entfernt waren (nämlich dem Originaldokument). Wir konnten alle sehen, wie falsch sie berichteten, und es war ihnen völlig egal.

Wenn das nicht für viele die rote Pille sein muss, dann weiss ich auch nicht. Die regressive Linke ist in ihrer Wahnhaftigkeit mindestens so autoritär, gefährlich und gesellschaftszersetzend wie die Rechte.

Das ist eine schlimme Erkenntnis, aber diese Erkenntnis muss in der Mitte der Gesellschaft ankommen, damit sich etwas ändert. Ansonsten sehe ich schwarz. Wir haben bei Agent*in erlebt, daß diese Leute absolut keine Hemmungen haben, nett verpackte Proskriptionslisten zu erstellen. Wer da zwischenfunkt, ist ein Feind. Man kann genau jetzt sehen, wie das Aufdecken bestimmter Sachverhalte bei der Heinrich-Böll-Stiftung durch den Don innerhalb weniger Stunden dazu geführt hat, wie bestimmte Wikipedia-Autoren sein Wiki-Lemmanmit soviel Scheisse zugekleistert haben, wie sie nur finden konnten.

Diese Leute haben Macht, sie sitzen in den Gremien, in den Medien, sie kontrollen in Berlin die öffentliche Werbung, sogar im verfickten Google (die kontrollieren unsere Daten, verdammt, und glauben an micro-aggressions und den stereotype threat, das muss man sich echt erst mal vergegenwärtigen), vor allem sitzen sie in den Universitäten, bilden unsere Journalist*innen und Soziolog*innen aus – kein Wunder, wie übel zugerichtet diese Leute sind, wenn sie frisch von der Uni kommen. Sie kennen keine Skrupel. Sie haben bisher damit punkten können, vornehmlich gute Ziele verfolgt zu haben, aber letztlich ist es ihnen egal, welche Ziele sie verfolgen, solange sie die Deutungshoheit erlangen und erhalten.

Ich habe lange so getan, als wären das alles nur Einzelfälle. Ich war ein linksliberaler Relativierer vor dem Herrn, der das alles als Panikmache durch Breitbart, rechte Shitlords und Konsorten abgetan hat. Aber es ist real, und es hat System.

Es ist wirklich Zeit, etwas zu unternehmen.


Der Widerstand der liberalen Linken gegen die autoritäre Linke wächst - wobei die liberale Linke von der autoritären Linken als "rechts" denunziert wird.

Sonntag, August 13, 2017

Pfui und doof – News vom 13. August 2017

1. In Österreichs "Presse" erscheint unter der Überschrift "Pfui und doof" ein Nachruf auf Andreas Kempers Online-Pranger – samt Spekulationen, warum er derart schnell gescheitert ist:

Warum jetzt die Aufregung − und der Rückzug? Vielleicht, weil das Auflisten eines antifeministischen Agentennetzes zu deutlich offenbart hat, dass die Akteure in diesem Eck von Gendertheorie und Feminismus eben doch nicht die Sozialwissenschaftler sind, die sie zu sein vorgeben, sondern auch nur Ideologen: eben Anti-Antifeministen. Die eigene Ideologie als Wissenschaft zu deklarieren und alle Kritiker damit in einen einzigen Topf der bornierten Irrationalen werfen zu können, ist eine alte linke Strategie.

(...) Nicht nur Sexismus und Rassismus, auch Familismus, Maskulismus, Handicapismus, Heteronormativität? In der Vorstellungswelt der Anti-Antifeministen ist die Gesellschaft voller Herrschaftsideologien, die vernetzt sind und die es aufzudecken und aufzulösen gilt. Wer Widerspruch anmeldet, wird als unkritischer und wissenschaftsfeindlicher Parteigänger von Diskriminierung mit dem Zeichen "Antifeminist" gebrandmarkt. Das riecht selber nach Herrschaftsideologie.


Die Attacken auf die Kritiker dieser Herrschaftsideologie hatte unlängst Peter Nowak auf Telepolis verteidigt, bekommt dafür aber von dem linken Männerrechtler Djadmoros den Kopf gewaschen:

Mit der Vokabel "Antifeminismus" fährt Nowak dieselbe Strategie wie zuvor die nun vom Netz genommene Webseite: Schmeiße wohlbegründete und hysterische Kritik in denselben Topf und erkläre alle Kritik zu hysterischer Kritik. Schmeiße Kritik aus dem linken politischen Spektrum in denselben Topf wie Kritik aus dem rechten politischen Spektrum und erkläre alle Kritik zu Kritik aus dem rechten politischen Spektrum.

Denn mal abgesehen davon, dass auch Kritik aus dem rechten politischen Spektrum noch nicht zwangsläufig falsch sein muss, möchten unsere feministischen Bonzen und Apparatschiks eines vermeiden wie der Teufel das Weihwasser: dass ihnen vonseiten einer emanzipatorischen Linken öffentlich wahrnehmbar intellektueller und politischer Verrat an linken und emanzipatorischen Werten und Idealen vorgeworfen wird - beispielsweise, weil die Chefankläger des "Sexismus" selbst zu einem Inbegriff von Sexismus geworden sind.

Und darum ist den Bonzen des Feminismus keine Denunziation, keine üble Nachrede, keine Lüge dummdreist und grobschlächtig genug, um auf sie zu verzichten.

Und all diese Anschmierereien werden unter dem Label "Antifeminismus" in Umlauf gebracht.

Mit dem Peter Nowak sich hier gemein macht.




2. Jan Feddersen kommentiert in der "taz" die Kontroverse zwischen Alice Schwarzer und dem Gender-Lager. Bemerkenswert sei, dass ein bürgerliches Medium wie die "Zeit" überhaupt einen Artikel aus der Gender-Ecke veröffentlicht habe:

Die Befunde queerfeministischer Forschung nach Butlers und Harks Gusto scheinen auch dort prinzipiell auf Sympathien zu stoßen. Mehr noch faszinierte an dem Text der beiden Autor*innen jedoch, dass sie nirgends auch nur spurenweise auf die Argumente des "Beißreflexe"- und Emma-Autors eingehen, nur, siehe Zitat, sich darüber beklagen, wie schroff der Ton der Kritik an ihnen und ihrem Wissenschaftsverständnis ausgefallen sei. Aber Argumente? (...) Keines, nicht ein einziges.


Anstelle solcher Argumente werde Schwarzer lediglich Rassismus zugeschrieben, während Schwarzer – "nun wahrlich keine Linke" – sich auf den Schutz von Schwachen, also Frauen und sexuellen Minderheiten berufe. Feddersen sieht hier die "Trennlinie des feministischen Diskurses": auf der einen Seite die "Menschenrechtsorientierten" wie Schwarzer, auf der anderen die "Kulturalisten und Queeristen".

Der Blogger Lucas Schoppe indes kommentiert die Kontroverse so:

Im Konflikt zwischen klassischen Radikalfeministinnen und neueren Genderfeministinnen treffen zwei Positionen aufeinander, die jeweils längst betoniert sind. Wer nicht dazu gehört, hat weder von der einen noch von der anderen Gruppe viel zu erwarten. Keine von beiden kommt beispielsweise auf die Idee, dass im Rahmen der Geschlechterpolitik die Perspektiven von Männern natürlich dieselbe Bedeutung haben müssten wie die von Frauen.




3. Dem gefeuerten Google-Mitarbeiter James Damore werden gute Chancen eingeräumt, die verzerrend über ihn berichtenden Medien juristisch zur Rechenschaft zu ziehen.



4. Gegen Falschbeschuldigungen im Zusammenhang mit sexueller Gewalt wird endlich einmal durchgegriffen: Eine Bloggerin wurde nun verurteilt, ihrem Opfer 8,4 Millionen Dollar Entschädigung zu zahlen. In den allermeisten Fällen sind derartige Verleumdungen risikoarm, weil der Täterin, selbst wenn der Schwindel auffliegt, überhaupt nichts passiert, während das Leben ihres Opfers zerstört sein kann.



5. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir zu dem Artikel der Kieler Nachrichten:

Der Artikel in den Kieler Nachrichten, nachdem Frauen mehr Empathie etc. haben, führt die MINT-Förderung von Frauen eigentlich ad absurdum.

Angenommen, Frauen erfüllten das Klischee von mehr Empathie und größerer emotionaler Intelligenz – wieso will man sie dann aus den sozialen Berufen rausholen und in die technischen Berufe hinein bringen? Das wäre – folgt man der Argumentation – entgegen ihrer natürlichen Ausstattung und nicht im Interesse der Gesellschaft. DIe Gesellschaft muss ein Interesse daran haben, Menschen in den Professionen einzusetzen, für die sie das beste Portfolio an Fähigkeiten haben.

Der Artikel suggeriert, dass die traditionelle Geschlechterordnung und Arbeitsteilung etwas natürliches – Gender Mainstreaming hingegen widersinnig ist.

Der Artikel gibt auch keine Auskunft darüber, ob die Studie tatsächlich weibliche und männliche Empathie-Fähigkeit untersucht hat. Es sieht eher so aus als ob man nur das Markt-Risiko bestimmter Branchen untersucht hat und das dann mit dem üblichen Geschlechter-Dings-Bums dekoriert hat, weil's mehr Klicks gibt.




6. Und zum Abschluss ein kleiner Comic.

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