Dienstag, Januar 16, 2018

"Die Welt" interviewt mich zu häuslicher Gewalt gegen Männer – News vom 16. Januar 2018

1. In der "Welt" ist am Sonntag im Print und gestern online der folgende Artikel Till-Reimer Stoldts erschienen, der berichtet, wie männliche Opfer häuslicher Gewalt ganz allmählich von der deutschen Politik entdeckt werden:

Um die Not von Männern zu verdeutlichen, setzt Arne Hoffmann gern auf bildliche Vorstellungen. Eine davon sieht so aus: Eine zornige, brüllende Frau schwingt eine Bratpfanne und rennt um den Essenstisch herum, unter dem ihr Mann ängstlich kauert. Dieses Bild löst laut Hoffmann bei vielen Betrachtern eher ein Lächeln aus. Bittet er seine Gesprächspartner dagegen, sich einen zornigen, brüllenden Mann vorzustellen, der mit einer Pfanne in der Hand um einen Tisch herumrennt, unter dem seine Frau ängstlich kauert, dann ruft dies meist Betroffenheit hervor.

"Gewalt ist für viele Zeitgenossen nicht gleich Gewalt", bilanziert Arne Hoffmann vom Männerrechtsverband "MANNdat" sein Gedanken-Experiment, das er schon mit vielen Gesprächspartnern unternommen hat. Noch immer gebe es starke Vorbehalte dagegen, Männer als Opfer häuslicher Gewalt wahrzunehmen. Im Blick auf ihre Verletzbarkeit würden Männer und Frauen nach wie vor unterschiedlich wahrgenommen, sagt der Experte.

Deswegen sei auch die öffentliche und politische Unterstützung für männliche Opfer deutschlandweit unterentwickelt. Während es bundesweit gut 350 und landesweit über 60 Frauenhäuser gibt, kann man Fluchtorte für männliche Gewaltopfer mit der Lupe suchen. Aktuell unterhalten nur zwei Bundesländer ein bis zwei Männerhäuser: Sachsen und Baden-Württemberg.

Die schwarz-gelbe Landesregierung in NRW will das nun ändern. Sie plant, in NRW ein weitgehend staatlich finanziertes und damit finanziell abgesichertes Männerhaus aufzubauen. Es soll Männern, die vor häuslicher Gewalt fliehen wollen, "Akutschutzplätze" anbieten, wie Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach (CDU) der Welt sagte. Bisher gibt es in NRW nur sehr vereinzelt Beratungsangebote für solche Opfer. Noch viel weniger lässt sich von einer Hilfsstruktur für Männer in akuter Not sprechen. Die besteht bislang meist nur aus kirchlichen Notschlafstellen, die von Obdachlosen genutzt werden.

Dabei belegt die Statistik, dass Männer in hoher Zahl unter Gewalttätigkeiten ihrer Partnerinnen leiden. Laut bundesweiter Kriminalstatistik war 2015 jedes fünfte Opfer häuslicher Gewalt ein Mann, 2016 wurden 27 Prozent aller Anzeigen wegen häuslicher Gewalt von Männern gestellt. Die Zahl nicht angezeigter Gewalttaten von Frauen an ihren Partnern schätzen Forscher aber noch weit höher ein. So stellte eine Studie im Auftrag der evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) schon 2010 fest, Männer und Frauen seien ungefähr gleich oft Opfer und Täter im Rahmen häuslicher Gewalt. In der Studie des Anti-Diskriminierungsforschers Peter Dröge erklärten 41 Prozent der befragten Frauen und 45 Prozent der befragten Männer, häusliche Gewalt erlitten zu haben. Und Dutzende internationale Studien bestätigen diesen Befund zumindest in der Tendenz.

Erstaunlicherweise finden diese Ergebnisse kaum den Weg ins Bewusstsein der Regierenden, klagen Männerrechtler. Ursächlich dafür seien auch psychologische Barrieren. Eine besteht in der verbreiteten Überzeugung, Frauen könnten ihrem Mann gar keine körperliche Gewalt antun, weil sie ihrem Partner in der Regel physisch unterlegen seien. Diesen Einwand hat auch Arne Hoffmann schon oft gehört. "Aber häusliche Gewalt ist meist kein fairer, nach Regeln geführter Boxkampf", hält er dagegen. Wo eine Partnerin körperlich unterlegen sei, könne sie das durch die Art ihrer Gewaltanwendung oft ausgleichen. Und tatsächlich sind Fälle dokumentiert, in denen Frauen ihren Partner eine Treppe hinunterstießen, mit kochendem Wasser oder heißem Fett übergossen oder ihn unerwartet von hinten mit einem schweren Gegenstand auf den Kopf schlugen.

Warum männliche Opfer häufig auf eine Anzeige verzichten, ist mittlerweile erforscht, sagt Hoffmann. Nach wie vor sei das Schamgefühl bei männlichen Gewaltopfern stark ausgeprägt. Viele fürchteten, "als lächerliche Figur verspottet zu werden. Andere sind besorgt, man werde sie für den Täter und ihre Frau für das Opfer halten, wenn sie sich wehren und zur Polizei gehen. Wieder andere, vor allem Männer in Trennungssituationen, haben Angst, das Sorgerecht für ihre Kinder zu verlieren, wenn sie sich auf eine körperliche Auseinandersetzung einlassen, weshalb sie lieber Gewalt erdulden."

Tatsächlich sind – etwa von dem Forscher Ludger Jungnitz – Fälle dokumentiert worden, in denen Polizisten männlichen Gewaltopfern voreilig unterstellten, in Wirklichkeit seien sie die Täter und ihre Frau das Opfer. In der österreichischen Studie "Gewalt an Männern" beklagten sich sogar 43 Prozent aller männlichen Gewaltopfer, die Polizei habe ihre Anzeige gegen die weibliche Täterin nicht ernst genommen.

Von diesen Diskriminierungen hatten Männerrechts-Gruppen auch schon der alten rot-grünen Landesregierung berichtet, auch im Parlament. Doch die Vertreter von SPD und Grünen reagierten stets kühl, beispielsweise in einer Landtagsanhörung 2015. Auch CDU und FDP hatten schon in der Opposition argumentiert, man dürfe den Kampf gegen geschlechtsbedingte Diskriminierung nicht allein auf Frauenpolitik reduzieren. Doch so oft die damaligen Emanzipationspolitikerinnen Ina Scharrenbach (CDU) und Susanne Schneider (FDP) betonten, Männer könnten ebenfalls Opfer sein – die Gleichstellungsministerin Barbara Steffens (Grüne) tat dies mal spöttisch, mal empört ab. Als ob die Opposition den Frontverlauf im Geschlechterkampf unzulässig vernebeln wollte.

Das wird sich nun ändern. Die neue Gleichstellungsministerin Scharrenbach möchte ab sofort erforschen lassen, welche Art der Hilfe diese lange vernachlässigte Opfergruppe am dringendsten benötigt. Eins steht aber schon jetzt fest: Spätestens 2022 soll das erste Männerhaus in NRW seine Pforten öffnen. Noch im Januar wird daher ein Team aus dem Ministerium das Männerhaus im sächsischen Leipzig besuchen, um sich dort Anregungen zu holen. Denn eine Sorge hält man im Ministerium für unbegründet: dass ein solches Männerhaus leer stehen könnte. Was auch daran liegt, dass es neben den männlichen Opfern gewalttätiger Frauen noch zwei weitere Männergruppen gibt, die solche Zufluchtsangebote brauchen könnten: Männer, denen ein "Ehrenmord" droht. Und junge Männer, die vor einer Zwangsverheiratung fliehen wollen. Schon vor einem Jahrzehnt kam das Freiburger Max-Planck-Institut zu dem Ergebnis, 43 Prozent aller "Ehrenmord"-Opfer seien Männer.


Ihre Spendengelder bei der Arbeit, liebe Unterstützer. :D

So wie hier müsste es in einer geistig gesunden, vernünftigen Welt eigentlich immer wieder laufen: Politiker tun auch mal etwas für das männliche Geschlecht, und Journalisten bitten einen Experten und Aktivisten in diesem Bereich, die Hintergründe zu erläutern. Wenn es um Frauenpolitik und Feministinnen geht, ist so etwas auch gang und gäbe. Geht es um Maskulisten – gut, ihr wisst ja selbst, wie Leitmedien sonst häufig mit uns umgehen. Wir müssen weiter daran arbeiten, dass sich das ändert.

Wenn jemand übrigens Belege für die in dem Artikel aufgeführten Studien und anderweitigen Forschungserkenntnisse benötigt, maile ich ihm die Links gerne zu.



Weiter geht es mit News zu anderen Themen.



2. Die Berliner Zeitung beschäftigt sich mit der Frage, warum die Grünen-Frauen ihre Ideale verraten.



3. Ein Imagefilm österreichischer Universitäten behandelt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Männerthema.



4. In Zürich wurde eine betrunkene Frau nicht in einen Club eingelassen und dichtete dem Türsteher aus Rache eine Vergewaltigung an.



5. Sogar in Israel werden inzwischen immer weniger Jungen beschnitten.



6. Auch die frühere US-amerikanische Außenministerin Condoleeza Rice hat sich jetzt zu MeToo geäußert: "Lasst uns Frauen nicht in Schneeflocken verwandeln oder zu unmündigen Kindern erklären." Rice erklärte, sie wolle keine Gesellschaft, in der Männer beginnen zu denken "Vielleicht ist es besser, keine Frauen dabei zu haben." Solche Bemerkungen habe sie schon gelegentlich gehört, und das beunruhige sie.

Montag, Januar 15, 2018

"In Thüringen sind mehr Männer als Frauen Opfer häuslicher Gewalt" – News vom 15. Januar 2018

1.
In den Jahren 2011 bis 2016 wurden in Thüringen 151 Personen Opfer von schwerer häuslicher Gewalt. Das geht aus der Antwort von Innenminister Georg Maier (SPD) auf eine Anfrage von CDU-Innenpolitiker Raymond Walk hervor. Bei den von Maier aufgelisteten Fällen handelt es sich um "versuchte und vollendete Tötungsdelikte im sozialen Nahraum".

Besonders überrascht, dass entgegen der landläufigen Erwartung keineswegs vor allem Frauen Opfer von schwerer häuslicher Gewalt werden. Der Statistik zufolge wurden in dem Zeitraum 76 männliche Opfer erfasst und 75 weibliche.

(...) CDU-Innenpolitiker Walk zeigte sich besorgt über die hohe Opferzahl. "Wir reden hier nicht über Ladendiebstahl, sondern über Tötungsdelikte", sagte er. Besorgniserregend sei die hohe Zahl von Kindern unter den Opfern. Walk sagte, es sei sehr erstaunlich, dass bei den Tötungsdelikten ebenso viele Männer wie Frauen zu Opfern würden. Bei der häuslichen Gewalt im Allgemeinen seien Frauen zu 80 Prozent Opfer.


Hier findet man den vollständigen Artikel.

Tatsächlich ergeben zig internationale Untersuchungen, von denen ich die Studie des Antidiskriminierungsforschers Dr. Peter Döge für die Evangelische Kirche nur beispielhaft herausgreife, dass häusliche Gewalt auch außerhalb Thüringens leicht überwiegend männliche statt weibliche Opfer hat. Speziell in Thüringen haben aber sämtliche etablierten Parteien männliche Opfer häuslicher Gewalt im Stich gelassen.



2. Am 21. und 22. September 2018 findet in Düsseldorf der fünfte Männerkongress statt, diesmal zum Thema "Männer. Macht. Therapie."



3. Der bekannte Journalist Hugo Müller-Vogg kommentiert die aktuelle Situation der Grünen:

Sie hätten so gerne regiert, aber sie können ihre Regierungskunst nicht zeigen – die Grünen. Dafür demonstrieren sie, wohin man mit Genderwahn und Quoteritis kommt. Weil die Doppelspitzen in Partei und Fraktion nach einem Doppel-Quorum (Mann/Frau; Realo/Fundi) besetzt werden müssen, ist für den bisherigen Parteivorsitzenden Cem Özdemir an der Spitze der Bundestagsfraktion kein Platz. Die Grünen glauben, es sich leisten zu können, auf ihren neben dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann angesehensten Politiker einfach verzichten zu können, jedenfalls in der ersten Reihe. Keiner machte und macht sich für Quoten so stark wie die Grünen. Jetzt merken sie selbst, wohin es führt, wenn das Geschlecht wichtiger ist als die Qualifikation. Nun gut, in diesem Fall schaden sich die Grünen selbst. Bei einer Ausdehnung der Frauenquote in der Wirtschaft könnte der Schaden größer werden, und zwar für alle.




4. Journalismus wird nicht glaubwürdiger, wenn er sich der #MeToo-Bewegung anbiedert, befindet Claudia Schwartz in der Neuen Zürcher Zeitung.



5. Die kanadische Autorin Margaret Atwood gehört zu den Stars der feministischen Szene. Letztes Jahr etwa wurde die Fernsehserie "The Handmaid's Tale" hochgelobt, der auf Atwodds gleichnamigem Roman (deutsch: "Der Report der Magd") beruht. Darin geht es um eine Gesellschaft, in der Frauen dazu unterworfen werden, als Gebärmaschinen zu dienen – zahllose Kritikerinnen zogen letztes Jahr bizarre Vergleiche zu der Situation von Frauen unter der Herrschaft Donald Trumps.

Germaine Greer hat in der Frauenbewegung einen sogar noch höheren Status als Atwood. Die deutsche Wikipedia etwa lobpreist sie als eine der "wichtigsten Feministinnen des 20. Jahrhunderts".

Aktuell frisst die feministische Revolution ihre Mütter. Sowohl Atwood als auch Greer sind wegen unbotmäßiger Meinungsäußerungen ins Visier der MeToo-Bewegung geraten. Atwood hatte faire Verfahren statt religiösen Verfolgungseifers gefordert und muss sich dafür inzwischen auf Twitter vor aufgebrachten Netzfeministinnen rechtfertigen. Über die Australierin Germaine Greer hingegen berichtet die australische Herald Sun folgendes:

Greers feministische Verdiente bewahrten sie nicht davor, als "frauenfeindlich", "Verteidigerin von Vergewaltigungen" und "ekelhaft, eine völlige Schande für die Bewegung" bezeichnet zu werden – neben anderen absurden Verunglimpfungen, einschließlich der Frage, ob sie "der Demenz erlegen ist".

All dies, weil sie letzte Woche einige unbequeme Wahrheiten über das Phänomen #MeToo, die Unschuldsvermutung und die manchmal problematische Natur darüber geäußert hat, wie menschliches Begehren zum Ausdruck gebracht wird.

"Die Dinge entwickeln sich immer mehr dazu", hatte Greer gesagt, "dass man, wenn man in einer Position der Macht oder des Einflusses ist, niemanden mehr anbaggern kann, weil das als unangemessener Gebrauch von Einfluss, Gewalt und so weiter betrachtet wird. Wie drückt man seine Wünsche aus, ohne Druck auf die Menschen auszuüben? Warum können wir keine rationale Einstellung zu Sexualdelikten haben?"

Greer sagte auch: "Ich habe jahrelang argumentiert, dass wir sexuelle Übergriffen in unterschiedliche Schweregrade einteilen sollten, je nachdem wie viel Schaden sie anrichten. Damit können Sie das Ganze viel rationaler angehen." Greer äußerte sich zudem besorgt darüber, dass Angeklagte bestraft werden, bevor ihre Schuld nachgewiesen wird.


Die Autorin des zitierten Artikels zieht folgendes Fazit:

Wenn selbst Frauen wie der feministische Hitzkopf Greer als nicht radikal genug betrachtet werden, dann wissen Sie, dass der moderne Feminismus ein neues Niveau des religiösen Eifers erreicht hat. Wir haben uns an eine derart verrückte Theatralik von einigen der lautesten Mitglieder der Schwesternschaft gewöhnt, dass selbst Greer im Vergleich dazu vernünftig und maßvoll erscheint.




6. Weitere News gibt es heute von "Aranxo" auf Geschlechterallerlei.

Sonntag, Januar 14, 2018

Mutter verkaufte Sohn zur Vergewaltigung im Internet – News vom 14. Januar 2018

1. Mehrere Medien, darunter der Focus, berichten von einer Mutter, die ihren Sohn seit 2015 online Missbrauchstätern anbot: "Für mehrere Tausend Euro konnte man das Opfer buchen, auch für mehrere Tage." Das Angebot wurde offenbar europaweit angenommen. Kritisch wird in der Berichterstattung über dieses Verbrechen auch die Rolle von Jugendamt und Familiengerichten gesehen:

Im März habe die Polizei den zuständigen Behörden von einer möglichen Gefahr für das Kind berichtet, wie der Pressesprecher des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald, Matthias Fetterer, am Freitag mitteilte. Das Familiengericht habe den Schüler allerdings wieder nach Hause geschickt – warum, wisse er nicht. Auch eine spätere Entscheidung des Oberlandesgerichts habe an dem Beschluss nichts geändert. Erst im September 2017 sei der Junge dann endgültig aus seiner Familie geholt worden, nachdem die Polizei auf den möglichen sexuellen Missbrauch des Kindes verwiesen habe.


Spiegel-Online berichtet ausführlicher:

Wie nun bekannt wurde, hatte das Jugendamt im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald den Jungen im Frühjahr schon einmal aus der Familie genommen - doch nach einer Entscheidung des Familiengerichts sei er zurück zu seiner Mutter gegeben worden, teilte das Landratsamt mit.

Demnach hatte das Jugendamt auch schon früher Kontakte zu der Familie, es sei um Entwicklungshilfen für das Kind gegangen. Im März 2017 habe die Polizei das Amt dann informiert, dass der Lebenspartner der Mutter wegen einschlägiger Sexualdelikte vorbestraft ist. Konkrete Hinweise auf einen Missbrauch habe es aber nicht gegeben.

Nachdem der Schüler aus der Familie genommen worden war, entschied das Familiengericht jedoch anders, wie ein Sprecher des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald sagte. Auch das Oberlandesgericht habe dies so gesehen. Wie eine Polizeisprecherin sagte, wurde der Junge auch nach März noch missbraucht.


Der "Welt" zufolge stand das zuständige Jugendamt schon vor diesem Fall in der Kritik:

Im Januar 2015 war der drei Jahre alte Alessio in Lenzkirch im Schwarzwald von seinem Stiefvater zu Tode geprügelt worden. Die Behörde soll Warnungen ignoriert und Alessio nicht ausreichend geschützt haben. Der zuständige Sachbearbeiter im Jugendamt musste eine Geldstrafe zahlen.


Im Schwarzwälder Boten heißt es:

So schockierend diese Taten der eigenen Mutter auch sein mögen – für Gallwitz ist es "nichts extrem Besonderes", dass so etwas passiert. Unter Frauen sei der Prozentsatz derer mit pädophilen Neigungen zwar deutlich geringer als bei Männern, jedoch gebe es eine große Dunkelziffer. "Kinder als Sexobjekte sind begehrt und teuer", zieht der Polizeipsychologe sein bitteres Fazit.




2. Vor ein paar Tagen fragte ich hier noch, wo die mutigen deutschen Frauen bleiben, die es den hundert Französinnen um Catherine Deneuve gleich tun und sich in einer eigenen Gruppe zu Aspekten von MeToo auch kritisch äußern. Inzwischen hat zumindest ein österreichisches Kollektiv ein paar Dinge anzumerken. Beispielsweise wenden sie sich gegen jene "männlichen Frauenversteher, die Zustimmung für #MeToo äußern und allen Ernstes meinen, diese künstlich geschürte Aufregung trage irgendetwas zur Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse zwischen den Geschlechtern bei."

Positiv erwähnenswert sind in dieser Erklärung darüber hinaus die folgenden Passagen:

Es scheint den #MeToo-Supporters keiner Bemerkung wert, dass Personen wie Peter Pilz oder der ehemalige norwegische Handelsminister Trond Giske schwere Schädigungen ihres öffentlichen Ansehens und ihrer beruflichen Tätigkeit erleiden mussten, ohne dass die gegen sie erhobenen Anschuldigungen geklärt werden konnten. Unter dem Druck ähnlicher Vorwürfe hat der walisische Sozialdemokrat Carl Sargeant Selbstmord begangen. Die angeblichen Taten von Pilz sind, sofern es sich überhaupt um Übergriffe handelt, verjährt. Aber für die öffentliche Vernichtung genügten in seinem Fall eine aktuell hochgradig erregte Stimmung und die bloße Vermutung.

(...) #MeToo verkündet ein antifeministisches Frauenbild. Frauen werden als hilflose Opfer dargestellt; Männer als böse Raubtiere. Die feministische Filmtheoretikerin Laura Kipnis hat das als ein primitives melodramatisches Klischee bezeichnet. Es leugnet jegliche Handlungsmacht von Frauen.


Das ist übrigens eine der Stellen, die zeigt, wie stockbescheuert es ist, Männer wie mich als "Antifeministen" zu etikettieren. Wenn ich MeToo ablehne, gelte ich bei einigen als Antifeminist. Wenn ich MeToo zustimme, gelte ich bei anderen als Antifeminist. Ich müsste also zwei komplett konträren Auffassungen zustimmen, um nicht von irgendwem als "Antifeminist" etikettiert zu werden. Das ist offenkundig irre.

Die Österreicherinnen führen weiter Auffassungen ins Feld, die sich mit denen von Männerrechtlern und Kritikern bestimmter von Feministinnen vertretener Positionen decken:

Sexuelle Initiative ist nicht Sexismus oder Gewalt. Sexuelle Avancen gehen nach der bestehenden kulturellen Geschlechterordnung eher von Männern als von Frauen aus. Aber auch wir Frauen setzen manchmal sexuelle Initiativen, und das ist gut so. Nicht nur Männer haben das Recht zu flirten, sondern auch Frauen. Nicht jede unerwünschte Initiative ist deshalb schon ein Übergriff. Jeder und jede kann "Nein, danke" sagen, und jeder und jede kann das begreifen und das Feuer einstellen. Es ist nicht notwendig, Sex zu dämonisieren.

(...) Die Verschiedenheit der von #MeToo versammelten Fälle trägt dazu bei, den Begriff der Vergewaltigung auszuweiten – auch auf einvernehmlich vollzogene Sexualkontakte, die erst im Nachhinein als unerwünscht empfunden werden. Erfährt eine Person nach einvernehmlichem Geschlechtsverkehr etwa Unverwünschtes über die ethnische Identität, den Beruf, den Familienstand, die Einkommensverhältnisse, die Weltanschauung oder die Sexualethik des Partners, kann sie ihn nachträglich wegen Vergewaltigung verklagen.

(...) Frauen sind durchaus in der Lage, sich zu informieren und an einmal getroffenen Entscheidungen festzuhalten. Und es darf keine Verpflichtung des Staates geben, speziell Frauen davor zu schützen, dass jemand, mit dem sie ins Bett gehen, in Wirklichkeit vielleicht nicht Pilot ist.


Der Text der selbsterklärten Feministinnen mündet schließlich in genuin maskulistische Forderungen:

Es darf nicht sein, dass mithilfe einer aufgeheizten öffentlichen Stimmung, durch absichtliche Konfusion von schwerwiegenden mit leichten Fällen – oder auch durch Vorwürfe von nicht strafbaren oder verjährten Handlungen – Menschen fertiggemacht werden. Angesichts der vorgefallenen Rufschädigungen fordern wir eine Präzisierung der Gesetze zu Verleumdung und übler Nachrede. Wer Schlimmes tut, soll bestraft werden. Wer jemand anderen aber mit verjährten oder irrelevanten Vorwürfen – oder durch deren journalistische Weitergabe – öffentlich fertigzumachen versucht, soll ebenfalls bestraft werden. So wie im modernen Frauenfußball gehören nicht nur Fouls, sondern auch "Schwalben" im Strafraum mit einer gelben Karte geahndet.


Allerdings stößt dieser Text wegen einiger Verquastheiten auch auf kritische Repliken (hier in der Kommentarspalte). Am prägnantesten finde ich die Kritik in diesem Absatz gebündelt:

Es gibt gute Ansätze, aber verpackt ist das ganze wieder mal in feministischer Ideologie. Schädliche Denkenweisen die gerade durch Feministen befeuert werden, werden hier Männern oder einem Patriarchat zugeordnet, während Rechtsstaatlichkeit und Unschuldsvermutung als feministische Ideale dargestellt werden, obwohl diese Ideale gerade erst wegen der heutigen Feministen überhaupt wieder energisch verteidigt werden müssen.


Im Feminismus sind an allem Schlechten eben Männer schuld – selbst an feministischen Kampagnen, die gerade extrem schief laufen. In diesem Fall sind die Schuldigen eben die männlichen "Allies" (Unterstützer), die die Kampagnen genauso treudoof und ohne Widerspruch unterstützen, wie es Feministinnen lautstark verlangt hatten.



3. Der Schauspieler Liam Neeson beklagt, dass sich MeToo zu einer "Hexenjagd" auf Männer entwickle:

Als Beispiel nannte er die Geschichte des Schriftstellers und Radiomoderator Garrison Keillor (75). Keillor wurde Ende letzten Jahres von dem Sender Minnesota Public Radio gefeuert, weil ihm „unangemessenes Verhalten mit einer Person, die mit ihm arbeitete“ vorgeworfen wurde. In "The Late Late Show" betonte Neeson, dass es sich dabei um ein Missverständnis gehandelt habe.

Keillor habe einer lokalen Zeitung nach seiner Entlassung Folgendes erzählt: Bei einem Gespräch habe er einer Frau, nachdem sie ihm von einem traurigen Erlebnis erzählt habe, die Hand auf den Rücken gelegt. Die Frau habe eine Bluse mit Rückenausschnitt angehabt, sodass er ihren nackten Rücken berührt habe. Er habe seine Hand sofort zurückgezogen und sich entschuldigt.

Später habe er ihr sogar noch eine E-Mail geschrieben und sich nochmals um Verzeihung gebeten. Sie habe geantwortet, dass sie ihm vergeben habe. Einen Monat später habe der Anwalt bei Keillors Radiosender angerufen und gesagt, er habe die Frau unangemessen berührt.


Dem unbenommen betrachtet Neeson MeToo grundsätzlich als eine "gesunde Entwicklung".

Die Reaktionen auf Twitter zu den Punkten, die Neeson zu bedenken gibt, sind natürlich trotzdem vorhersagbar.



4. Auch Lucas Schoppe meldet sich in der Debatte noch einmal zu Wort:

Die Golden-Globe-Rede von Oprah Winfrey wurde in deutschen Medien bejubelt, ein Artikel von 100 Frauen in der französischen Le Monde scharf kritisiert. Hier sind ein paar Gründe dafür, warum es umgekehrt besser gewesen wäre.


Hier geht es weiter.



5. Der auf Sexualstrafrecht spezialisierte Rechtsanwalt Alexander Stevens fordert: Schluss mit MeToo und dem neuen Sexualstrafrecht.



6. Wir wissen, was "mansplaining" und "manspreading" ist. Aber was ist "manlistening", "manstanding", "mantalking" und "Man-Rick-and-Morty-ing"?



7. Ein Social Justice Warrior ist am Mittwoch in der New Yorker U-Bahn durchgeknallt. Er sprang er auf die Gleise, schwadronierte von Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen und drohte damit, eine stromführende Schiene zu berühren.

Tragisch, wenn es so weit gekommen ist.



8. Gottseidank gibt es Genderstudien: Eine feministische Forscherin analysiert sexistische und rassistische Gewalt in der Geschichte der Pelikane.

Samstag, Januar 13, 2018

Was bedeuten die Ergebnisse der Sondierungsgespräche für Männer? – News vom 13. Januar 2018

Als Genderama im vergangenen Jahr seine zweieinhalbwöchige Weihnachtspause einlegte, führte das nach dem Neustart im Januar zu deutlich weniger Zugriffen pro Tag, deren Zahl erst nach und nach wieder auf den alten Stand gebracht werden musste. Es freut mich sehr, dass wir diesen Effekt diesmal NICHT haben. Alle bisherigen Leser sind offenbar sofort wieder mit dabei. Schön!

Zu den News:

1. Christian Schmidt hat sich gestern schon angeschaut, auf welche Punkte sich CDU/CSU und SPD in den Sondierungsgesprächen zur großen Koalition geeinigt haben. Ich zitiere hier aus den geschlechterpolitisch relevanten Passagen:

Frauenförderung: Im Öffentlichen Dienst wird für mehr Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau eine Quote eingeführt. Bis 2025 sollen alle Leitungsposten zu gleichen Teilen mit Männern und Frauen besetzt sein.

(...) Dazu werden wir dieses Ziel für den Geltungsbereich des Bundesgleichstellungsgesetzes festschreiben. Wir wollen prüfen, wie eine Erweiterung des Geltungsbereichs des Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst auf Unternehmen mit wesentlicher Bundesbeteiligung umgesetzt werden kann.

Strukturelle Ungleichgewichte von Frauen am Arbeitsmarkt, die zur Entgeltlücke wesentlich beitragen, wollen wir gezielt abbauen. Dazu werden wir unter anderem finanzielle Ausbildungshürden bei Sozial- und Pflegeberufen abbauen und streben Ausbildungsvergütungen an.

(...) Wir werden ein Aktionsprogramm zur Prävention und Unterstützung von Gewalt betroffenen Frauen und Kindern auflegen und die Hilfestrukturen verbessern. Um von Gewalt betroffenen Frauen und Kindern den gesicherten Zugang zu Schutz und Beratung in Frauenhäusern zu ermöglichen, werden wir einen Runden Tisch von Bund, Ländern und Kommunen einberufen. Ziel der Beratungen ist der bedarfsgerechte Ausbau und die adäquate finanzielle Absicherung der Arbeit von Frauenhäusern und entsprechenden ambulanten Hilfs- und Betreuungsmaßnahmen. Wir sind in diesem Zusammenhang bereit, ein Investitions- und Sanierungsprogramm aufzulegen, Weiterqualifizierungsmaßnahmen und Schulungen für Mitarbeit/innen und spezifische psychosoziale Hilfen für traumatisierte Kinder und Frauen. Um für die betroffenen Frauen den Zugang zu ermöglichen und ihnen bei der Tragung der Unterbringungskosten zu helfen, werden wir prüfen, ob und wie weit im Rahmen des Unterhaltsvorschussgesetzes eine vorläufige Übernahme der Kosten bei gleichzeitigem Übergang der Unterhaltsforderung auf den Kostenträger verankert werden kann.

Wir werden das bundesweite Hilfetelefon für von Gewalt betroffene Frauen ausbauen, besser bewerben und durch adäquate Online-Beratungsangebote ergänzen. Die anonymisierte Beweissicherung bei Gewalt- und Missbrauchsfällen werden wir in ganz Deutschland ermöglichen.


Herzlich willkommen zu weiteren vier Jahren geschlechterpolitischen Stillstands in der Bundesregierung. Bei den Unionsparteien und der SPD scheint nach wie vor der Eindruck zu bestehen: Männer brauchen uns nicht zu interessieren, von diesen Dödeln werden wir ja sowieso gewählt.



2. Die Sendung "Kulturzeit" (3sat) hat Svenja Flaßpöhler, die Chefredakteurin des "Philosophie-Magazins", zur MeToo-Debatte und der Kritik daran aus Frankreich interviewt. Was Flaßpöhler dazu zu sagen hat ist durchgehend hörenswert – womit es dem feministisch-journalistischen Mainstream komplett zuwider läuft.



3. Der Politikwissenschaftler, Journalist und Buchautor Paul-Hermann Gruner ist einer der Wegbereiter der deutschen Männerrechtsbewegung: Sein Klassiker Frauen und Kinder zuerst. Denkblockade Feminismus etwa ging noch meinem eigenen Buch "Sind Frauen bessere Menschen?" voraus. Knapp zehn Jahre später war Gruner einer der Herausgeber des im Psychosozialverlag erschienenen Sammelbandes Befreiungsbewegung für Männer. Jetzt hat Gruner seine Dissertation gemacht: eine wissenschaftliche Analyse von Sprache und Inhalt der führenden deutschen Frauenzeitschriften, also "Freundin", "Für Sie" und "Brigitte".

Die Studie mit dem Titel Die suggestive Konfiguration von "Weiblichkeit" ist ein erkenntnisreicher, streckenweise faszinierender Lesegenuss für jeden, der sich für Geschlechterforschung und Diskursanalyse interessiert. Gruner stellt heraus, wie die untersuchten Frauenzeitschriften, als wären sie aus der Zeit gefallen, in einer apolitischen Märchenwelt zwischen Kindern, Klamotten und Küche verharren und insofern zu interessanterweise bei Frauen hochbegehrten "Verblödungsmaschinen" geworden sind, was er durch Auszüge aus den analysierten Artikeln herrlich belegt.

Auf meine Frage, inweifern seine Analyse männerpolitisch von Interesse ist, schreibt mir Paul-Hermann Gruner:

Wenn Frauen exakt die nachgewiesenen, beinahe hermetisch zu nennenden Lebenswelt-Narrative nachfragen, konfiguriert dies letztlich ja auch für (Ehe-)Männer deren lebensweltliche Perspektiven und hübsch indirekt-suggestiv vermittelte Soll-Identitäten. Ich stelle fest, dass das Unpolitische in einem neuen Rahmen "verkauft" wird, nicht als Konservativismus, aber in einem konventionellen, tradierten Rahmen dennoch. Plötzlich gibt es einen weiblichen Hedonismus, der auf der Basis feministischer gesellschaftlicher Erfolge eine Art Fortsetzung des "alten" Märchen-Settings erlaubt. Und das weibliche Schwelgen in den angebotenen Lebensnischen ist schon erstaunlich. Die weibliche Nachfrage nach Heft-Inhalten, wie ich sie für den Untersuchungszeitraum aufdrösele, kann im Grunde aus Konsumentinnensicht nur so erklärt werden: Wir Frauen leisten uns unsere "Weiblichkeit" - egal, was die Männer oder der Feminismus dazu sagen/sagt. Jede andere Interpretation würde nämlich darin enden, zu urteilen: Die Leserinnen sind in der Regel einfach zu bekloppt und raffen das Ideologische nicht. Das war mir zu einfach. So kommt man nicht ran an die vertrackte Intention, alle zwei Wochen die "Freundin" zu erstehen.




4. Der Schweizer Verband männer.ch fordert Wickeltische auf Männer-WCs.



5. Die Universität Duisburg-Essen plant einen Leitfaden für Mitarbeiter und Studenten, der den Umgang mit "geschlechtergerechter Sprache" regelt. Dabei bedeutet "geschlechtergerechte Sprache" die ausdrückliche Erwähnung der männlichen und weiblichen Form ("Studenten und Studentinnen"), zu ihren Werkzeugen gehört das so genannte "Binnen-I" ("StudentIn") oder so genannte "Gender-Gaps", die mit einem Sternchen (*) oder dem Unterstrich (_) symbolisiert werden. Es ist ausdrücklicher Wunsch der Gleichstellungskommission der Hochschule, dass künftig möglichst viele Studenten in ihren Arbeiten diese geschlechtergerechte Sprache benutzen.



6. Es gibt immer weniger Familienväter in Deutschland. Hauptgründe sind dem Statistischen Bundesamt zufolge das steigende Alter der Mütter bei der Geburt sowie die steigende Zahl der Trennungen.



7. Bei Motherboard, das zur feministisch geprägten Plattform "Vice" gehört, ist Daniel Mützel unglücklich damit, dass Heiko Maas' Netzwerkdurchsetzungsgesetz von "Trollen", also auch vom politischen Gegner, genutzt wird, statt als das "Anti-AfD-Gesetz", als das es eigentlich gemeint sei. Nun würde es als Werkzeug verwendet, "um unliebsame Personen zu trollen, zu denunzieren und zum Schweigen zu bringen." Eine dieser Personen ist offenbar die Feministin Julia Schramm.

Auf dem Imageboard pr0gramm hatte vor wenigen Tagen ein Nutzer Screenshots von Beiträgen der Politikerin gesammelt, in denen Schramm kein Blatt vor den Mund nimmt und unter anderem einen Journalisten als "Arschloch" bezeichnet. (...) Der Appell an die pr0gramm-Community, Schramms Tweets kollektiv bei Twitter zu melden, geschieht unter explizitem Verweis auf das NetzDG: "Allerdings kann man die gute Dame jetzt aufgrund der aktualisierten Gesetzeslage melden", schreibt der Nutzer, der die Screenshots gepostet hat. (...) Twitters Unvermögen, in der Vergangenheit mit Hassrede umzugehen, zeigt sich heute als Unvermögen, zwischen Hass und Meinungsäußerung zu unterscheiden. Die Folge ist eine Löschorgie, die mittlerweile groteske Züge annimmt.


Man sieht: Das Gesetz muss dringend nachgebessert werden, damit es nur noch Leute mit jener Gesinnung erfasst, von der sich Daniel Mützel & Co. gestört fühlen.



8. Es gibt nichts, was sich nicht kommerziell verwerten ließe: So wird demnächst eine neue App angeboten, mit der sich die Einwilligung zu sexuellen Aktionen festhalten lässt. Auch eine Unterlassungserklärung lässt sich per Fingertipp verschicken. Kritikern zufolge vernachlässigt die App allerdings die Tatsache, dass eine solche Einwilligung einen kontinuierlichen Prozess darstellt, der sich über die gesamte Dauer einer sexuellen Begegnung erstreckt. Insofern sei die Unterzeichnung eines Vertrags vor dem sexuellen Kontakt in keiner Weise ausreichend.



9. Eine feministische Professorin empfiehlt die Einnahme eines gefährlichen Medikaments, damit endlich auch Männer in der Lage sind zu stillen. Damit sollen "die normativen Auffassungen von biologischem und sozialem Geschlecht in Frage gestellt" werden – "ein Ziel, das sowohl vom Feminismus als auch von queerer Politik geteilt wird".

Freitag, Januar 12, 2018

MeToo-Kritik, Google-Irrsinn, feministischer Frauenhass – News vom 12. Januar 2018

1. Ein aktuelles Gerichtsurteil in Schleswig-Hollstein zementiert zum vierten Mal: Nur Frauen dürfen Gleichstellungsbeauftragte, Männer von der Bewerbung ausgeschlossen werden.



2. Inzwischen gibt es doch noch andere als vernichtende Reaktionen auf die MeToo-Kritik aus Frankreich. So findet sich in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung folgende Passage:

Die Autorinnen erkennen in der "Me Too"-Debatte eine Tendenz, die gefährlich wäre, würde sie sich auswachsen: einen moralischen Totalitarismus, den Verlust der Fähigkeit, zwischen Flirt und sexueller Nötigung zu differenzieren. Dagegen schreiben sie an. Es ist gut und wichtig, dass dieses Argument von Frauen kommt. Denn von Männern wäre es erstens weniger überraschend und zweitens sähe sich derjenige, der es äußert, zu Recht oder zu Unrecht sofort dem Verdacht ausgesetzt, sich seine eigenen Vergehen nicht eingestehen zu wollen. Man kann den Gastbeitrag als Verharmlosung von ekelhaftem Verhalten von Männern gegenüber Frauen interpretieren. Man kann ihn aber auch so lesen, dass er die Frauen ermächtigen will, selbst die Grenzen zu ziehen. Darum geht es den französischen Frauen.


Und einer meiner Leser macht mich auf zwei Beispiele vom Deutschlandfunk aufmerksam:

Gestern wurde kurz darüber berichtet. Dabei hat der Frankreich-Korrespondent die Panikberichterstattung deutlich relativiert. Beispielsweise hat er erklärt. dass das franzözische "belästigen" weniger negativ besetzt ist und mehr mit "nerven" vergleichbar ist. Ausserdem gebe es in der französischen Kultur historisch weit mehr "Oh lala". Das Ganze kam am Ende zwar nicht ohne ein "Es gibt auch junge Französinnen, die das Oh lala nicht mehr wollen." aus, aber im großen und ganzen hat der Korrespondent den Kontext erklärt und hat auf lokale und sprachliche Eigenheiten hingewiesen. Dadurch wird man in die Lage versetzt, sich eine Meinung zu bilden. Das ist eigentlich, was ich unter Qualitätsjournalismus verstehen würde.

Das zweite Beispiel war heute morgen in der Andacht zur Woche, kurz nach halb sieben. Ein evangelischer Pfarrer hat Bezug auf MeToo und den Brief genommen. Und offenkundig kann er sowohl lesen, als auch französisch. Die Zusammenfassung war sehr gut. Schon die Überschrift hat er mit "Die Freiheit zur Anmache" und nicht "Die Freiheit zur Belästigung" übersetzt. Am Ende hat er einfach das Offensichtliche ausgesprochen: "Man muss das Gegenüber respektieren. Ohne Respekt sollte man seine Finger bei sich behalten. Mit Respekt werden die Finger nichts Falsches machen." (Grob aus dem Gedächtnis zitiert.) Das trifft es ganz gut, und ich denke, der Großteil der Bevölkerung handelt auch danach.

Schön, dass es auch mal was positives zum Journalismus zu sagen gibt.




3. "Es gibt einen simplen Weg, um Jungs zu erfolgreichen Männern zu erziehen — doch die Schulen unterdrücken ihn." So ist ein Artikel von Valentina Resetarits überschreiben, der im "Business Insider" veröffentlicht wurde. Ein Auszug:

61 Prozent der Schüler, die vorzeitig die Schule abbrechen, waren 2016 Männer. (...) Mittlerweile gibt es in Deutschland beinahe 270.000 mehr arbeitslose Männer als arbeitslose Frauen. (...) Aus einer US-amerikanischen Studie aus dem Jahr 2014 geht hervor, dass Männer nach einem Jobverlust deutlich mehr Probleme beim Wechsel in eine neue Position haben. "Obwohl Frauen viel stärker davon betroffen sind, wenn Jobs in mittleren Positionen verschwinden, gelang es einem Großteil der betroffenen Frauen, neue Fähigkeiten zu erlernen und sogar besser bezahlte Jobs zu finden", schreibt Studienautor und Ökonom Anton Cheremukhin. "Im Vergleich dazu musste mehr als die Hälfte der Männer in mittleren Positionen auf einen schlechter bezahlten Job ausweichen."

Laut den Forschern liegt es vor allem daran, dass Frauen in diesen Positionen die besseren Bildungsabschlüsse haben. Es ist also ein Teufelskreis: Die Jobs von schlechter qualifizierten Männern verschwinden, sie können aber nicht auf einen anderen Job umsatteln, weil ihnen die Bildung dazu fehlt. Die einzige Möglichkeit, diese Entwicklung zu stoppen: Wir müssen dafür sorgen, dass Männer wieder mehr Spaß an Bildung haben. Und zwar von klein auf.


Die Lösung, die Valentina Resetarits anbietet – mehr Bewegung für Jungen im Lauf eines Schultags zulassen – ist zwar grundsätzlich nicht verkehrt, greift als einzige Strategie und damit als Allheilmittel etwas zu kurz. Sinnvoll wäre ein ganzes Bündel von Maßnahmen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Immerhin ist es aber erfreulich, dass die "Jungenkrise" überhaupt wieder angesprochen wird, nachdem ein Großteil der Leitmedien sie in den letzten Jahren vergessen zu haben scheint.



4. Das Blog Scheidende Geister kommentiert die Forderung der SPD-Politikerin Gabriele Andretta nach einer Frauenquote im Parlament.



5. Das US-amerikanische Politikmagazin "Federalist" hat James Damores Klageschrift 19 irrsinnige Aspekte über die Firmenkultur bei Google entnommen, die von Damore nicht nur behauptet, sondern durch Screenshots etc. auch belegt werden. Ich stieß auf diesen Artikel durch ein Facebook-Posting eines Bekannten (kein Männerrechtler), der den Inhalt des Beitrags treffend so zusammenfasst:

Es scheint, als ob Google eine extrem bedrückende Arbeitsumgebung bietet, in der jede Abweichung vom Gruppendenken mit Ächtung, Fertigmachen und Androhung körperlicher Gewalt bestraft wird. Ich schätze, dass "Don't be evil" kein Ersatz für eine tatsächliche ethische Philosophie ist.




6. In den neunziger Jahren hat die US-amerikanische Journalistin Katie Roiphe einige exzellente Beiträge über die damals schon überbordende Hysterie wegen angeblich allgegenwärtiger sexueller Gewalt an Universitäten veröffentlicht. Inhalte ihres ausgezeichneten Werkes The Morning After: Sex, Fear, and Feminism gingen auch in mein eigenes 2001 erschienenes Buch "Sind Frauen bessere Menschen?" ein. Natürlich gab es damals einigen feministischen Furor gegen Roiphe, die sich danach erst mal zwei Jahrzehnte lang anderen Themen widmete. Die aktuelle Sexualhysterie scheint sie indes zu einer erneuten Beschäftigug damit inspiriert zu haben – und die feministischen Attacken auf Roiphe beginnen, noch bevor diese ihre Meinung dazu veröffentlicht hat.

Näheres berichtet Brendan O'Neill, der Herausgeber des liberalen Magazins Sp!ked:

Schauen Sie sich an, was mit Katie Roiphe in den letzten 48 Stunden passiert ist. (...) Sie ist derzeit das Ziel eines höchst außergewöhnlichen Twittersturms - eine tobende Wut nicht über etwas, das sie gesagt hat, sondern über etwas, von dem die Leute denken, dass sie es in einer zukünftigen Ausgabe es Magazins "Harper's" sagen wird. Wir haben Precrime gehabt; das hier ist die Vorzensur, die gewaltsame Bestrafung eines Autors für das, was er irgendwann aussprechen könnte.

Die Twitterati hörten raunen, dass Roiphe in einem März-Feature für "Harper's" die Frau nennen wird, die für die "Shitty Media Men"-Liste verantwortlich ist, eine Art informelle schwarze Liste von Journalisten und Redakteuren, die sich angeblich schlecht gegenüber Frauen benehmen. Und sie wurden wütend. Sie sagten, dass dieser Artikel den Verfasser der Shitty Media Men-Liste gefährden würde.

Lassen wir mal beiseite, dass es völlig legitim und im öffentlichen Interesse ist, zu enthüllen, wer diese gruselige Liste erschaffen hat, zu der jeder anonym den Namen eines Medienmannes hinzufügen kann, von dem er behauptet oder denkt, dass er sich an sexuellem Fehlverhalten beteiligt hat. Wenn die Unterstützer einer solchen Hexenjäger-Liste, die von Gerüchten und Beschimpfungen geprägt ist, jetzt gegen jemanden wüten, der es wagen soll, den Schöpfer dieser Liste zu benennen, ist das natürlich urkomisch und zeigt glasklar die Doppelmoral, die Attitüde besonderer Vorrechte und die hässliche Missachtung ordnungsgemäßer Verfahrens bei den Chef-Anprangerern von #MeToo.

Sachdienlicher ist, dass Roiphe öffentlich beschämt wird und zum Schweigen gebracht werden soll von Frauen, die behaupten, sie wollen, dass die Stimmen der Frauen gehört werden. Aber nicht Roiphes Stimme, wie es scheint; nicht diese Schlampe; macht sie nieder. Die Ausgießung des Hasses auf Roiphe war erstaunlich, selbst bei den niedrigen Standards der Twitter-Debatte und der virtuellen Intoleranz im 21. Jahrhundert. Die "Guardian"-Feministin Jessica Valenti hat Roiphe flott das angetan, was sie Männern vorwirft, weiblichen Journalisten anzutun: Sie versuchte, sie zum Schweigen zu bringen. Valenti beschrieb den Artikel, den Roiphe Gerüchten zufolge schreiben würde, als "zutiefst beschissen" und "unglaublich gefährlich" und twitterte die Telefonnummer des "Harper's"-Magazines, so dass die Leute die Redaktion dahingehend behelligen konnten, die Arbeit dieser Hexe nicht zu veröffentlichen. Sady Doyle, eine Autorin der "Elle", hat Roiphe als"Pro-Vergewaltigung" gebrandmarkt, was wirklich nur Böses bedeutet, Hexenhaftes. Ein Autor des feministischen Magazins "Bustle" fragte sich, ob "Katie Roiphe" ein Pseudonym ist, das von einer Gruppe 65-jähriger Männer geteilt wird, denn jede Frau, die mit uns nicht einverstanden ist, muss ein Mann sein, nicht wahr? Genauso wie jede schwarze Person, die republikanisch oder konservativ wählt, eine "Kokosnuss" ist.

Andernorts wurde Roiphe als "Onkel Tom" des Geschlechterkampfes gebrandmarkt, als "Müll", als "Miststück", natürlich, als "Dämon" und als "Gefahr" für gute Feministinnen, die Männer einfach weiter kriminalisieren wollen, ohne den Nutzen von archaischen Dingen wie einem ordentlichen Verfahren oder einer gerichtlichen Untersuchung. Und all das kam von Frauen: von Frauen, die sich als frauenfreundlich ausgeben. Die Schriftstellerin Nicole Cliff ermutigte sogar Autoren, ihre Beiträge bei "Harper's" zurückzuziehen, und bot ihnen an, sie dafür zu bezahlen - ein expliziter Versuch, den redaktionellen Druck auf "Harper's" zu erhöhen, Roiphes Artikel zu verhindern, die böse Hexe zum Schweigen zu bringen. Fünf Autoren zogen tatsächlich Beiträge bei "Harper's" zurück. Selbstzensur um eine Frau zu zensieren, die mit den Mainstream-Feministinnen nicht einverstanden ist - was für ein jämmerliches Spektakel.

Nach all dem, nach all diesen Scheinprozessen gegen Roiphe, stellte sich heraus, dass ihr Artikel den Namen des Verfassers der Shitty Media Men-Liste gar nicht enthalten wird! Die Wut gegen sie, die ganze Hexenjagd, basierte auf einem Gerücht, auf Furcht, und enthüllte die fieberhafte, geradezu vormoderne Natur so vieler heutiger Wutausbrüche gegen Menschen mit abweichenden Meinungen. Gott sei Dank leben wir nicht mehr im sechzehnten Jahrhundert - Roiphe wäre schon tot, bevor wir entdeckten, dass sie die sündigen Worte gar nicht ausgesprochen hatte, die der Mob ihr unterstellte.

Aber noch hässlicher als die faktenarme Natur des Anti-Roiphe-Fanatismus war seine Frauenfeindlichkeit, seine bizarr feministisch-frauenfeindliche Haltung. Sehen Sie: Roiphe leidet – wie jede andere Frau, die den neuen Opferfeminismus kritisiert – unter "internalisierter Frauenfeindlichkeit". Diese zutiefst bevormundende Idee besagt, dass Frauen ihren eigenen Verstand nicht wirklich kennen und leichte Beute für die angeblich frauenfeindliche Kultur sind, die sie umgibt. Es wird befürchtet, dass ihre zierlichen Gehirne sich selbst hassen, wenn sie zu sehr dieser Kultur ausgesetzt werden, so wie viktorianische Männer sich Sorgen machen, dass viktorianische Frauen ohnmächtig werden oder sterben, wenn sie einen unverschämten Brief lesen oder einen Arbeiter "fuck" sagen hören". Das Gleiche gilt für Frauen, die für Trump gestimmt haben, die ein feministischer Kolumnist mit Sklaven verglich, die die Kissen des Schaukelstuhls ihres Meisters aufschütteln. Das ist eines der frauenfeindlichsten Dinge, die ich in der Mainstream-Presse seit Jahren gelesen habe.


In den folgenden Absätzen erwähnt Brendan O'Neill, dass auch die hundert Französinnen, die MeToo kritisierten, dafür prompt von Feministinnen aufs Übelste angegriffen wurden. Das stellt einen allgemeinen Trend dar. Diese Woche etwa sei auch die Schauspielerin Blanca Blanco unter Beschuss genommen worden, weil sie es wagte, zur Verleihung der Golden Globes ein rotes Kleid zu tragen, während das feministische Lager ganz in Schwarz aufkreuzte, um auf eine angebliche Unterdrückung von Frauen aufmerksam zu machen.

Wie können Frauen es wagen, das zu tragen, was sie wollen? Oder ihre Meinung äußern? Im Ernst, können sich diese Feministinnen, die gegen "schlechte Frauen", freimütige Frauen, schwierige Frauen, wüten, selbst hören?

Wir beginnen jetzt zu sehen, dass #MeToo keine Pro-Frau-Bewegung ist. Es handelt sich um eine stark politisierte Kampagne, die von gut vernetzten Frauen in Kultur und Medien getragen wird – Frauen, die davon profitieren und ihren vermeintlichen Opferstatus um jeden Preis aufrechterhalten müssen, weil er für sie sowohl in Bezug auf ihre Karriere als auch in Bezug auf ihre moralische Autorität in der öffentlichen Diskussion eine Hebelwirkung hat. Deshalb antworten sie mit solch unversöhnlicher, frauenfeindlicher Wut auf jede Frau, die sie in Frage stellt - denn diese Frauen, diese Emporkömmlinge, diese schwierigen Geschöpfe drohen, die Opferpolitik zu entwirren, die für eine kleine, aber einflussreiche Gesellschaftsschicht von heute so vorteilhaft ist. Und so müssen diese Frauen zum Schweigen gebracht werden, ausgestoßen, als "beschädigt" abgeschrieben und nicht wert sein, dass man ihnen zuhört. Seien wir einfach dankbar, dass es die Irrenanstalten, in denen solche freidenkerischen Frauen einst entsorgt worden wären, nicht mehr gibt.


(Nachtrag um 9:54 Uhr: Ich sehe gerade, Don Alphonso hat auch schon über diese Hexenjagd geschrieben.)

Donnerstag, Januar 11, 2018

Deutsche Journalistinnen fallen über Catherine Deneuve her – News vom 11. Januar 2018

1. Wer von den deutschen Medien Meinungsvielfalt erwartet, lebt definitiv im falschen Jahrhundert. Die Empörung deutscher Journalistinnen über den offenen Brief, mit dem hundert französische Schauspielerinnen, Autorinnen und Akademikerinnen die MeToo-Sexualhysterie kritisieren, zieht sich durch praktisch sämtliche Leitmedien ob in Print, Radio oder TV bis hin zur "Tagesschau". Dabei wird schon in den Schlagzeilen Deneuve immer wieder für Anfeindungen herausgepickt, so als ob es sich um eine vereinzelte Irrläuferin handeln würde: Die "Filmdiva" sei in den fünfziger Jahren steckengeblieben, heißt es beispielsweise, sie beweise nur "ihre eigene Rückständigkeit". An anderer Stelle wird zwar das Kollektiv wahrgenommen, aber lediglich im verächtlichen Tonfall – etwa wenn Journalistinnen genüsslich Tweets zitieren, denen zufolge die "verinnerlichte Frauenfeindlichkeit" von Deneuve und Co., "ihre Gehirne unwiederbringlich zerstört" habe.

Es sei "viel Hass", der Deneuve da entgegen schlage, frohlockt Anna Rinderspacher in der Huffington Post, aber Deneuve habe "diese bösen Worte auch verdient". So sind sie, die deutschen Journalistinnen, die sich über Hate Speech kaum genug entrüsten können – solange sie nicht aus dem eigenen Lager stammt. Ist das wirklich die geschickteste Methode, um nachzuweisen, dass das mit dem "totalitären Meinungsklima" und den "Hexenjagden", von denen die Französinnen sprechen, kompletter Schwachsinn ist? Tatsächlich werden sie durch diesen Furor bestätigt.

Dabei tun die Journalistinnen regelmäßig so, als seien sie nur Sprachrohre dessen, was die Frauen von heute – im Gegensatz zu dem Fossil Deneuve – tatsächlich denken. Dass es komplett umgekehrt aussieht, erfährt man nur aus Wortmeldungen von Nicht-Journalisten wie dem Sexualwissenschaftler Kurt Starke, der Schauspielerin Nina Proll oder dem eigenen weiblichen Bekanntenkreis. Wer sein Weltbild nur aus den Leitmedien bezieht, müsste derzeit glauben, dass die MeToo-Kampagne ausschließlich von aus der Zeit gefallenen Schwachköpfen missbilligt wird. "Die Wirklichkeitspartikel, die Medien aus der realen Welt aufnehmen", erklärte zu solchen Spektakeln einmal der Politikwissenschaftler Thomas Meyer, "werden von ihnen intensiv bearbeitet und was dann dabei herauskommt, ist eine Neuinszenierung der Welt und hat mit der Realität oft nicht sehr viel zu tun."

Immerhin, auch aus der aktuellen Gruppenhysterie gibt es wenigstens zwei mutige Ausreißer. Der eine ist Thomas Klingenmaier, der in der "Stuttgarter Zeitung" folgendes schreibt:

Bevor die Vorsicht einsetzt, ist zunächst mal die Empörung da. Durch die sozialen Netzwerke laufen Meldungen, die das innere Wutflämmchen mit Sauerstoff versorgen: "Catherine Deneuve fordert Recht auf sexuelle Belästigung", steht da zum Beispiel. So kann man die Metoo-Debatte natürlich in den oberen Rängen der Facebook-Rangliste geteilter, mit Grimmfratzen-Smileys versehener Beiträge halten. Der kleine Schönheitsfehler dieses Adrenalindrüsendrills? Deneuve, die Grande Dame des französischen Kinos, hat das so nie gesagt, nicht sie und nicht die anderen 100 Frauen, die gerade einen offenen Brief unterzeichnet haben.


Die aktuell mal wieder angeschlagene Tonart, so Klingenmaier,

und die mit ihr einhergehende Vermischung, Vermengung und Verunklarung von Gewaltverbrechen, Mobbing, Rüpelhaftigkeit, Unbeholfenheit, Verklemmtheitsentgleisung und nicht besonders gut ankommendem Humor sind länger schon typisch für die Metoo-Bewegung. (...) Eine neue Qualität der Perspektivverzerrung mengt sich in die Attacken.


So werfe aktuell eine Schauspielerin dem Regisseur James Franco vor,

sie habe – wie vertraglich vorgesehen – Nacktszenen spielen müssen. Aber was sei ihr denn übrig geblieben, als den Vertrag zu unterschreiben, wo sie diesen Job doch gebraucht habe? Das sind nun wirklich komplett verdrehte Alice-im-Wunderland-Definitionen sexueller Belästigung. (...) Die Metoo-Debatte braucht also dringend mehr Ehrlichkeit, Augenmaß, Begriffsschärfe und Faktenbasis.


Aber auch eine Journalistin will sich den Zornesausbrüchen ihrer Kolleginnen nicht anschließen. "Endlich sagt jemand die Wahrheit über MeToo" freut sich Kathrin Spoerr in der "Welt". Dort heißt es weiter:

Der Filmproduzent Harvey Weinstein hatte der Schauspielerin Ashley Judd indirekt angeboten: Rolle gegen Sex. Sie war nicht die Einzige. Es waren viele, vielleicht alle. Aber niemand, der den Deal eingegangen war, gab es zu.

Dann passierte der Irrsinn: Millionen Frauen der freiesten, aufgeklärtesten und fröhlichsten Länder der Welt schrieben auf Twitter, welche Übergriffe ihnen irgendwann passiert waren, Großes wie Kleines, alles galt gleich. Man gewann den Eindruck, im Westen könne keine Frau mehr mit einem Mann einen Fahrstuhl oder ein Besprechungszimmer betreten, ohne geschändet zu werden. Metoo war überall. Alle Männer waren Schweine, alle Frauen Opfer. Frauen erklärten der Welt, dass jedes Kompliment ein Übergriff sein kann. Männer erklärten sich anbiedernd zu Feministen oder zogen sich zurück. Wer differenzieren wollte, brach die als "Frauensolidarität" getarnte Meinungsdiktatur.

Nun endlich, nachdem Hollywood bei den Golden Globes sein Theater weitergespielt und mit dem Finger auf alle, nur nicht auf sich selbst gezeigt hat, sagt die große Catherine Deneuve: Stopp mit dem Unsinn!

Wie gut das tut.


"Teilen Sie die Meinung des Autors?" wird unter dem Artikel gefragt. Mit Stand von heute morgen um 9:00 Uhr sagen 941 Leser "ja" und 46 Leser "nein". Wer sich nur die journalistischen Beiträge zu dem offenen Brief von Deneuve & Co. durchliest, würde niemals auf den Gedanken kommen, dass das tatsächliche Meinungsbild in Wahrheit so aussieht.

Als gestern Abend die "Tagesthemen" über den offenen Brief der 100 Französinnen und die Reaktionen darauf berichteten, wurden unter Passanten ausschließlich Frauen nach ihrer Meinung gefragt. Von Männern, so hieß es in dem Beitrag, habe sich niemand dazu äußern wollen. Dass ein komplettes Geschlecht, die Hälfte der Bevölkerung, derart zum Schweigen gebracht worden ist, scheint für die Protagonisten und Mitläufer von MeToo vollkommen unproblematisch zu sein.



2. Frauenministerin Barley (SPD) droht Unternehmensvorständen mit der Frauenquote.



3. Der Florenzer Regisseur Leo Muscato hat ein neues Finale für Bizets Opernklassiker "Carmen" geschrieben, um ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen: Jetzt wird die Protagonisten zum Schluss des Stücks nicht mehr ermordet, sondern erschießt ihren Ex-Liebhaber Don José. Tote Männer sind schließlich unproblematisch.



4. James Damore steht nicht allein: Auch andere Männer im Technikbereich beklagen "umgekehrte Diskriminierung".



5. Nicht nur hierzulande, auch in Großbritannien steigt die Zahl der Obdachlosen. Inzwischen müssen sich dort immer mehr Männer prostituieren, um zu überleben.



6. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Im Tagesspiegel darf offenbar kein Artikel über Woody Allen mehr geschrieben werden, ohne zu erwähnen, dass Allen vor über 20 Jahren des Missbrauchs an seiner Adoptiv-Tochter Dylan bezichtigt wurde. So auch in der Kritik zu Allens aktuellem Film.

Konsequent nicht erwähnt wird, dass die Staatsanwaltschaft monatelang gegen Allen wegen Missbrauchs ermittelt hat und zu dem Schluss gekommen ist, KEINE Anklage zu erheben. Ebenso konsequent wird nicht erwähnt, dass zwei seiner Kinder ihn konsequent verteidigen und die damaligen Vorwürfe als "fabriziert" bezeichnen. Ist kein Geheimwissen, steht alles in der Wikipedia. Aber die Tagesspiegeljournalisten werfen anscheinend lieber mit Dreck: Es wird schon was hängenbleiben.


Abgesehen vom Weglassen solcher Informationen verwendet der "Tagesspiegel"-Artikel Formulierungen wie "Natürlich wäre es töricht, das Verhalten eines Regisseurs an dessen Werk zu messen". (Gemeint ist: "Natürlich wäre es töricht, das Werk eines Regisseurs an dessen Verhalten zu messen".) Solche Sätze erwecken den Eindruck, als wären Vorwürfe und Tatsachen so ziemlich dasselbe. Der wichtige Grundsatz, dass jemand als unschuldig zu gelten hat, bis ihm Schuld nachgewiesen wurde, geht in derartiger Rhetorik verloren.

Mittwoch, Januar 10, 2018

Riesen-Mega-Jahresanfangs-Ausgabe: Alle News, die ihr vielleicht verpasst habt

Ich wünsche euch allen ein frohes neues Jahr und nur das Beste für 2018!

Bevor es mit den News losgeht, möchte ich ein paar Dinge in eigener Sache sagen: Ich danke allen, die mir und Genderama in den letzten Wochen Unterstützung zukommen haben lassen, ganz, ganz herzlich! Das Signal, dass ihr damit gesendet habt, was dieses Blog und unsere Bewegung insgesamt angeht, ist laut und klar und unmissverständlich. Offenkundig findet ihr es sinnvoll und wichtig, was geschieht, und möchtet, dass wir diesen Kurs weiter verfolgen.

Dabei haben mich einige von euch durch Spenden so stark unterstützt, dass ich absolut begeistert davon bin! Euch gebührt besonderer Dank und große Anerkennung. Aber ich freue mich auch über bescheidenere Zuwendungen. Das erwähne ich deshalb eigens, weil manche von euch sich per Mail geradezu dafür entschuldigt haben, dass es nicht mehr wäre - Genderama wäre ihnen eigentlich viel wichtiger, als in ihrer Spende zum Ausdruck komme.

Offen gesagt, finde ich es aber fast ein bisschen lustig, wenn mir Leute erst Geld schenken und sich dann dafür entschuldigen. Jede einzelne Spende zeigt mir, dass ihr meine Arbeit unterstützt und sie wichtig findet. Deshalb ist auch jede einzelne Spende von Bedeutung. Ich unterstütze Cassie Jaye selbst per Dauerauftrag, und ich kann selbst nicht jeden Monat einen größeren Betrag überweisen. Aber ich rechne darauf, dass insgesamt genug zusammenkommt, um Cassie Jaye zu zeigen, wie sehr wir schätzen, dass sie praktisch ihre Karriere aufs Spiel gesetzt hat, um wildfremden Menschen zu helfen. Und ich denke, dass das bei ihr auch so ankommt.

Bei mir jedenfalls ist es "angekommen", wie wichtig vielen von euch Genderama und meine andere journalistisch-politische Arbeit ist. Nicht nur finanziell, auch emotional ist dieses Feedback wichtig. Wenn man sich über Jahre hinweg fast jeden Morgen als erstes mit Dingen beschäftigt, die oft hässlich und konfliktgeladen sind, gibt es immer auch Phasen, wo man das Ganze satt hat und gerne mal zwischendrin ein längeres Päuschen einlegen möchte. In solchen Phasen gibt mir eure Unterstützung die Kraft, weiter durchzupowern. Wenn die Männerbewegung erfolgreich sein wird, sollten also nicht nur ich selbst, sondern sehr viele Männer (und Frauen und Kinder) denjenigen von euch dankbar sein, die kontinuierliches Engagement auf diese Weise ermuntert haben.

Damit kommen wir jetzt mit neuer Frische zu den News. Wie im vergangenen Jahr fange ich mit Meldungen an, die ich in den letzten Wochen gesammelt habe und die ich hier nachtrage, weil ich sie für erwähnenswert halte und nicht der Weihnachtspause zum Opfer fallen lassen möchte:



1. Die erste dieser Meldungen stammt sogar noch von Mitte Dezember: Das Stern-Magazin, dessen Titelgeschichte sich mit dem Thema Sexismus beschäftigte, sorgte für einen historischen Minus-Rekord bei den Verkäufen. Die Prediger predigen eifrig weiter, aber die Gemeinde ist zu einem großen Teil schon abgezogen.



2. Im Tagesspiegel erklärte Ende Dezember der Mainzer Professor Andreas Rödder, was die Postmoderne mit dem Siechtum der SPD zu tun hat. Ein Auszug des Interviews, das Hans Monath mit ihm führte:

Monath: Herr Professor Rödder, Sigmar Gabriel hat kürzlich geklagt, die SPD verliere so viele Wähler, weil sie zu sehr auf postmoderne Themen setze. Ist die Postmoderne ein politisches Phänomen?

Rödder: Definitiv. Entstanden ist die Postmoderne in universitären Seminaren in Paris und im kalifornischen Berkeley in den 80er Jahren. Was auf den akademischen Höhenkämmen debattiert wurde, sickerte dann in die Breite westlicher Gesellschaften durch. CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat vor einigen Jahren gesagt, in seiner Partei gebe es zu viele weiße, alte Männer. Mit diesem Jargon hätte er auch in einem Seminar der feministischen Theoretikerin Judith Butler in Berkeley Erfolg haben können …

(...) Monath: Eine Folge der Postmoderne ist die Genderdebatte. "Gender Mainstreaming" ist Ziel internationaler Abkommen. Sie sind einer der wenigen renommierten Gesellschaftswissenschaftler, der diese Entwicklung kritisch sieht. Was stört Sie daran?

Rödder: Grundsätzlich hat die Postmoderne völlig Recht: Die Nation ist genau so wenig eine naturgegebene Kategorie wie die bürgerliche Geschlechterordnung des 19. oder 20. Jahrhunderts. Beides sind kulturelle Konstrukte, beides sind auch Ordnungen von Macht. Jetzt aber kommt mein Einwand. Die Postmoderne sagt, dass alle Ordnungen diskursiv erzeugte Machtkonstrukte sind. Wenn das so ist, dann geht es auch bei den Forderungen nach Anti-Diskriminierung, Diversität und Gleichstellung um Macht.

Monath: Wo begegnet Ihnen Macht in der Gender-Debatte?

Rödder: Denken Sie an die geschlechtergerechte Schreibweise mit großem Binnen-I für ProfessorInnen und ManagerInnen. Haben Sie jemals die geschlechtergerechte Schreibweise für MörderInnen und MenschenhändlerInnen gelesen? Über die Gender-Studies sind neue diskursive Ordnungen von aggressiver Männlichkeit und guter Weiblichkeit aufgekommen. Zugleich ist eine neue Hierarchie von ausgleichsbedürftigen Benachteiligungen entstanden. Der ehemalige Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger, seinerzeit selbst ein Förderer von Gender Mainstreaming, hat es so formuliert: An der Spitze stehen Frauen, am Ende stehen Behinderte.

Monath: Können Sie das an einem Beispiel erklären?

Rödder: Die Frauenquote für Aufsichtsräte von börsennotierten Unternehmen führt dazu, dass eine kinderlose Unternehmertochter aus München-Bogenhausen den Vorzug vor einem dreifachen Familienvater mit Migrationshintergrund und Behinderung aus Berlin-Neukölln erhält. Der Soziologe Talcott Parsons hat schon in den 50er Jahren die Einsicht formuliert, dass jede Inklusion neue Exklusionen nach sich zieht. Leider verweigern sich viele AktivistInnen von Gender Mainstreaming oder der "Queer Theory" dieser Einsicht, sondern erheben einen unreflektierten, verbindlichen Geltungsanspruch für ihren eigenen Ordnungsentwurf. Mit dieser moralischen Aufladung und Ideologisierung entzieht sich die Kultur des Regenbogens der Debatte – und löst die Gegenbewegung aus, auf die Gabriel hinweist.


Zu ähnlichen Schlussfolgerungen gelangt die britische Labour-Politikerin Angela Rayner im britischen "Guardian": In einem Erziehungssystem, das sich auf die Förderung von Frauen und ethnischen Minderheiten konzentriere, würden weiße Jungen der Arbeiterschicht vernachlässigt.



3. Im Feminismus kommt das Engagement für Männerrechte zu kurz, beklagt die Feministin Laura Lucas im Magazin "ze.tt". Ein Auszug des Originalartikels, der später von der Redaktion verändert wurde (siehe unten):

Männer sterben im Schnitt fünf bis sechs Jahre früher, sie führen die Suizidstatistik an, sie haben eine höhere Todesrate am Arbeitsplatz und werden mit höherer Wahrscheinlichkeit straffällig oder obdachlos. Sie brechen häufiger ihr Studium ab und bekommen seltener das Sorgerecht für gemeinsame Kinder. Männer erleben in etwa genauso häufig wie Frauen häusliche Gewalt, und auch Männer bekommen Essstörungen. Im öffentlichen Diskurs jedoch werden diese Probleme seltener thematisiert. Ausnahmen sind Dokumentarfilme wie The Mask You Live In von The Representation Project oder The Red Pill der preisgekrönten US-Filmemacherin Cassie Jaye.


Komplett gelöst hat sich Laura Lucas von den alten feministischen Feindbildern indes noch nicht:

Gerade in den USA gelten die Men’s Rights Activists als Gender-Variante der White Supremacists. Und auch in Deutschland beschreibt der Begriff Maskulinismus oder Maskulismus meist eine misogyne Bewegung, die eine vermeintlich natürliche Überlegenheit von Männern gegenüber Frauen propagiert.


Es ist vermutlich reiner Zufall, dass derartige Behauptungen grundsätzlich ohne einen einzigen Beleg verbreitet werden. "Gelten als" genügt für die Denunziation, obwohl die von Lucas zitierte Dokumentation Cassie Jayes nachweist, dass eben diese Verleumdung daneben geht. Aber trotz ihrer Vorurteile gelangt Laura Lucas zu einem erwähnenswerten Fazit:

Niemand hat gesagt, dass wir die Benachteiligung von Frauen erst vollständig überwunden haben müssen, bis wir Problemen von Männern wieder gesellschaftliche Beachtung beimessen dürfen. Ich kann sehr wohl mit berechtigter Wut das Patriarchat wegfotzen und gleichzeitig meine eigenen Privilegien als Frau hinterfragen. Das würde es Nicht-Feminist*innen leichter machen, sich mit Geschlechtergerechtigkeit zu befassen und vielleicht sogar einem gesunden Maskulinismus den Boden bereiten.


Laura Lucas projiziert hier ganz ordentlich: Sie unterstellt Männerrechtlern, sich für überlegene Menschen zu halten, hält aber erkennbar sich selbst und ihre eigene Weltanschauung für überlegen. Der eigene Narzissmus wird dem Gegenüber untergeschoben. Bis zu einem echten Dialog auf Augenhöhe fehlt also noch einiges, aber eine erste Ausrichtung dorthin beginnt.

Eine perfide "Korrektur" des Artikels gibt es allerdings durch die Redaktion von ze.tt., die allen Ernstes darunter schreibt:

In einer vorherigen Version des Textes stand, dass Männer in etwa genauso häufig Opfer häuslicher Gewalt werden wie Frauen. Diese Informationen stammen aus dem Film „The Red Pill“ und beziehen sich lediglich auf die USA, nicht jedoch auf Deutschland. Dort sind nach Zahlen des Bundeskriminalamts für 2016 gut 80 Prozent der Opfer Frauen.


Die Zahlen des Bundeskriminalamts beziehen sich selbstverständlich nur auf das sogenannte Hellfeld eingegangener Anzeigen. Wird das Dunkelfeld ebenfalls mit eingezogen, zeigen natürlich auch deutsche Studien wie etwa des Antidiskriminierungsforschers Dr. Peter Döge für die Evangelische Kirche, dass häusliche Gewalt auch hierzulande leicht überwiegend männliche statt weibliche Opfer hat (hier 45 gegenüber 41 Prozent). Der deutsche "Qualitätsjournalismus" präsentiert sich hier wieder einmal mit Fake News – kein Wunder, dass die Auflage deutscher Tageszeitungen auch 2017 weiter in die Tiefe gestürzt ist.

Der Umstand, dass wir uns bei der Forschungslage auskennen und mit der vollständigen Datenlage arbeiten, ist wohl einer der Hauptgründe dafür, dass wir Maskulisten aus feministischer Perspektive für frauenfeindlich und gemeingefährlich gehalten werden.



4. In Österreichs Standard spielen sich Beate Hausbichler und die Professorin für Genderstudien Sabine Grenz die Bälle zu, um Männerrechtler rhetorisch mit "Frauenhass" zu verknüpfen.



5. In der Frankfurter Allgemeinen fabuliert Carolin Wiedemann:

Deshalb findet Frauke Petry auch die Kampagne #MeToo falsch: Die Frau sei nun mal von Natur aus das schwächere Geschlecht. Sie habe sich zu fügen und zur Verfügung zu stehen. Das ist auch die Haltung in der Szene der Pick-up-Artists, die mit den Rechten eng verwoben ist. Pick-up-Artists bringen anderen Männern in Workshops bei, "männlicher" zu werden, das heißt: Frauen ins Bett zu kriegen, wann immer ihnen danach ist. Die Soziologin Franziska Schutzbach schreibt, das Phantasma einer Wiederaneignung dominanter Männlichkeit in der Pick-up-Szene wirke wie eine Einstiegsdroge in rechtsnationale Weltanschauungen.


Ich habe für meine eigenen Ratgeber in diesem Bereich stapelweise Pick-up-Literatur gesichtet, und die These, "die Frau habe zur Verfügung zu stehen", geschweige denn rechtsnationale Gedanken, findet man dort lediglich in den extremistischen Randbereichen. Die Pick-up-Szene auf dieser Grundlage zu charakterisieren ist wie wenn man die SPD anhand des Weltbilds von Thilo Sarrazin beschreiben würde: Sarrazin ist SPD-Mitglied aber für den Mainstream dieser Partei nicht repräsentativ.

Einer der wenigen Pick-Upper, die so schreiben, wie die FAZ behauptet, ist der Antifeminist Thierry Baud, der in den Niederlanden allerdings gerade zum Politiker des Jahres gekürt wurde. Pick-up an solchen Extremfiguren festzumachen ist wie wenn man den Verfasserinnen von Sex- und Flirt-Tipps in Frauenzeitschriften unterstellen würde, ihrer Auffassung nach hätten Männer sich zu fügen und zur Verfügung zu stehen.



6. Der ehemalige Google-Mitarbeiter James Damore verklagt Google wegen der angeblichen Diskriminierung von Männern. Darüber berichten international Medien von der BBC bis zur Stuttgarter Zeitung. Ähnlich wie im letzten Jahr übernehmen auch heute vor allem deutsche Medien vollkommen selbstverständlich die Position des Internet-Giganten als Tatsache: "Entwickler verklagt Google nach Rauswurf wegen sexistischer Äußerungen" titelt etwa der Donaukurier, "Wegen sexistischer Äußerungen entlassener Entwickler klagt Google" formuliert der Standard. Tatsächlich hatte Damore für seine Auffassungen von mehreren Experten Unterstützung erhalten. (Genderama berichtete mehrfach.)

Das Blog Nerdcore kommentiert das erneute Versagen unserer Leitmedien bei der Berichterstattung über James Damore.



7. Niedersachsens Landtagspräsidentin Gabriela Andretta (SPD) will eine Frauenquote im Parlament durchsetzen.



8. Gegen eine Frauenquote spricht sich AfD-Fraktionschef Nikolaus Kramer aus. Er argumentiert, Männer seien nun mal eher für die Politik gemacht. Wenn man diese These ein wenig anders formuliert, gibt es dafür zwar gute Belege, aber natürlich sorgt sie und vor allem die Verweigerung der Quote trotzdem für Empörung im linken Lager:

Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) sagte, Kramer offenbare mit seinen Äußerungen das erschreckend rückständige Frauenbild der AfD. "Männer first" laute die Devise. Die AfD behaupte immer wieder, sie vertrete das ganze Volk, dabei grenze sie gleichzeitig die Hälfte der Bevölkerung aus. Ähnlich äußerte sich die Vorsitzende der Linksfraktion, Simone Oldenburg. Sie spricht von einem "grausamen Frauenbild". Kramer zeige damit einmal mehr, dass seine Fraktion rechtsaußen ihr Domizil gefunden habe. Für Kramer gebe es offenbar Menschen erster und zweiter Klasse, wobei Männer in seinen Augen zur erster Klasse gehörten.


Glashaus, Steine: Sowohl in der SPD als auch in der Linken bedeutet Geschlechterpolitik reine Frauenpolitik. Kritik daran habe ich weder von Stefanie Drese noch von Simone Oldenburg vernommen.



9. In den Sondierungsgesprächen zu Deutschlands nächster Regierung kritisiert die CSU die "Gender-Ideologie" der Sozialdemokraten.



10. Die Zahl minderjähriger Soldaten in der Bundeswehr hat sich verdreifacht. Kritiker dieser Entwicklung, so etwa der evangelische Militärbischof Sigurd Rink, warnen inzwischen: "Kindersoldaten darf es bei der Bundeswehr nicht geben".



11. "Die Zeit" diskutiert unter der Schlagzeile "Das ärgerliche Geschlecht" allen Ernstes darüber, ob Männer "noch tragbar" seien. "Was ist das für ein bizarrer Text?" fragt Christian Schmidt in einer kurzen Analyse.



12. Christian Schmidt berichtete Anfang Januar ebenfalls über einen von Hollywoodstars gegründeten Rechtsfond, der Opfer sexueller Belästigung unterstützen soll. Dabei macht Schmidt darauf aufmerksam, dass sich hinter der Opferhilfe machtpolitische Ziele verbergen. ("We call for a significant increase of women in positions of leadership and power across industries.") Ansonsten sagt "Crumar" als erster Kommentator dieses Beitrags bereits das Wesentliche dazu:

Die unterstellte Ungleichheit der *Verfügbarkeit* von Macht*mitteln* und der *Besitz* von Macht*positionen*, darum geht es hier eigentlich. Wenn das "Ungleichgewicht der Macht" diejenigen *begünstigt*, die mal eben einen offenen Brief in der "New York Times" veröffentlichen können und die verfügbaren Geldmittel haben, einen Multimillionendollar-Fond zu gründen, dann zeigt das jedoch das Gegenteil von dem was sie behaupten.




13. Eine nachdrückliche Kritik an #MeToo veröffentlichte derweil Ruth Berger auf Telepolis: Quid pro quo: Niemand muss bei Deals à la Weinstein mitspielen. Ein Auszug:

Niemand muss so tun, als gefalle ihm Harvey Weinstein. Wenn man es als Schauspielerin trotzdem tut, verhält man sich wie der Handwerksmeister, der dem korrupten Entscheider auf dessen mehr oder minder subtile Aufforderung einen Umschlag über den Tisch schiebt.

Es geht hier um erwachsene Menschen, die wissen, was sie tun. Mit sechzehn hat man vielleicht noch nicht gelernt, unerwünschte sexuelle Annäherungen (damit meine ich gewöhnliche Anmache und Berührungen, nicht den Überfall auf dem einsamen Spazierweg) abzuwehren bzw. sich nachhaltig zu verbitten. Mit spätestens Anfang Zwanzig hat man darin ausreichend Übung. So jedenfalls meine Lebenserfahrung.

(...) Wenn das Framing als "sexueller Missbrauch" oder "sexuelle Belästigung" hilft, diese spezielle Form der Korruption ans Licht zu bringen, zu ächten und mit Konsequenzen zu bedrohen und wenn die so ausgelöste öffentliche Empörung korrupte Entscheider und Institutionen, die diese dulden, abschreckt, so ist mir das sehr recht. Juristisch ist dem Problem ja schwer beizukommen; Einstellungsänderungen können da mehr bewirken.

Wenn die derzeitige Diskussion allerdings zur Aufweichung und Verharmlosung des Vergewaltigungsbegriffes beiträgt oder zur Kriminalisierung normalen sexuellen Annäherungsverhaltens, ist das ein Ärgernis.




14. Bei Meedia äußert sich Marvin Schade zu den Vorwürfen sexueller Übergriffigkeit gegen den deutschen Regisseur Dieter Wedel:

Drei Frauen richten sich mit Vorwürfen gegen Wedel, die den Straftatbeständen der Belästigung, sexuellen Nötigung oder sogar der Vergewaltigung entsprechen könnten. Alle Vorwürfe liegen mehr als 20 Jahre zurück, wären damit verjährt und können somit strafrechtlich nicht mehr verfolgt und damit aufgeklärt werden. Der Regisseur bestreitet jede der drei Versionen in ihrem Kern, hat seine Dementi – wie die Frauen ihre Aussagen auch – an Eidesstatt versichert. (...)

Die juristische Verjährung hält Journalisten glücklicherweise nicht davon ab, Vorwürfe dennoch zu recherchieren und ihre Ergebnisse niederzuschreiben. Doch sollten auch sie – vor allem im Falle einer Verdachtsberichterstattung und bei einem solch sensiblen Thema – die Unschuldsvermutung nicht unter den Tisch fallen lassen. Im Fall Wedel ist das über weite Teile der Berichterstattung aber geschehen. (...) Das Zeit Magazin will während seiner Recherche mit insgesamt 50 Menschen gesprochen haben, um die Vorwürfe gegen den Regisseur zu verifizieren. Zitiert wird kein einziger, der die bei den schlimmsten Vorwürfen beschriebenen Momente bestätigen und den Verdacht der Nötigung oder Vergewaltigung deutlich erhärten kann. (...) Das scheint zunächst erst einmal wenige kümmern. Fast euphorisch wirken die Reaktionen einiger Medien. Man bekommt den Eindruck, sie hätten auf ein deutsches #MeToo gewartet.


Ebenfalls zur Debatte um Dieter Wedel äußert sich die Professorin für Kriminologie Monika Frommel in der Legal Tribune: "Die Vermarktung der Empörung". Auch hieraus ein Auszug:

Wir leben in einer viktimeren Gesellschaft, also in einer Kultur, in der alle, die eine passende Geschichte erzählen können, mit dem Opfersein geradezu kokettieren können und über die Opferrolle Solidarität einfordern. (...) Die Leidtragenden dieser Inflation sind die echten und schwer geschädigten Opfer. Sie unterscheidet nämlich nicht mehr zwischen beweisbaren und erfundenen Geschichten. Sie akzeptiert auch nicht, dass man Beweisprobleme nicht durch medienwirksame Strategien der Skandalisierung überspielen sollte.

Es wird mittlerweile selbst von seriösen Medien akzeptiert, mediale Pranger zu bedienen. Ist der Beschuldigte unsympathisch, etwa in dem Sinne, dass er in der Vergangenheit ostentativ ein Macho- und Angeber- Gehabe an den Tag gelegt hat, kann sich nun jeder rächen. Viele Zeitgenossen können in Interviews ihre Geschichten erzählen, die ungefiltert veröffentlicht und in den sozialen Netzwerken weiter geleitet werden. Der Grund ist banal: Ein Name kursiert gerade und die Technik der Personalisierung und Skandalisierung funktioniert. Dass dabei rechtsstaatliche Grundsätze wie die Unschuldsvermutung nicht nur jede Bedeutung verlieren, sondern geradezu in ihr Gegenteil, zur "Schuldvermutung" verkehrt werden, das ist leider evident.




15. In einem mit "Ich bin jetzt eher Männerversteherin" überschriebenen Interview äußert sich auch die Schauspielerin Nina Proll noch einmal zur aktuellen Belästigungshysterie:

Ich will mich nicht als Robin Hood der benachteiligten Frauen aufspielen. Jedoch, was jetzt passiert, ist für mich hochinteressant: nämlich, dass gerade diese Frauen sich mit mir solidarisieren. Egal, ob ich in den Zug steige oder durch den Sicherheitscheck im Flughafen gehe oder mich im Supermarkt die Kassiererin anspricht, es heißt immer: "Danke, Frau Proll, dass sie sich getraut haben, etwas zu sagen. Sie sprechen mir aus der Seele."

(...) Was mich (...) wirklich störte, war das Frauenbild, das da vermittelt wurde. Die Frau als bemitleidenswertes Opfer von irgendwem oder irgendwas. In aller Klarheit: Wenn eine Frau zum Ziel eines Gewaltverbrechens wird, dann ist dieser Begriff absolut angebracht. Im Zuge irgendeines verunglückten Witzes oder eines missglückten Tinder-Dates von "Opfer" zu sprechen, finde ich jedoch vermessen. Dieses Bild der Frau akzeptiere ich nicht, und ich wehre mich dagegen. Wir Frauen sind nicht grundsätzlich die besseren Menschen und haben den Männern nicht grundsätzlich vorzuschreiben, was sie von uns zu wollen haben und was nicht. In dieser Debatte werden Frauen so hingestellt, als wäre ihnen Sex grundsätzlich fremd und sie müssten davor beschützt werden. Man redet ihnen fast mantrahaft ein, sie wären hilflose, empfindliche Wesen, die sich nicht zu helfen wissen. (...) Bis jetzt hat durch die schwelende Debatte nicht eine einzige ganz normale Frau etwas gewonnen - außer jenen, die jetzt am "Time"-Cover sind.

(...) Viele Frauen fordern hier ein Bewusstsein, das sie oft selbst nicht haben. Nur weil Männer es meist nicht als Belästigung empfinden, wenn sie von Frauen begrapscht oder in eine Schublade gesteckt werden, heißt das ja nicht zwingend, dass wir weniger übergriffig oder sexistisch sind.




16. Hundert französische Schauspielerinnen, Autorinnen und Akademikerinnen – so etwa Catherine Deneuve - haben in einem offenen Brief Männer gegen die neue Sexualhysterie verteidigt und MeToo kritisiert.

Die Frauen behaupteten, dass die Hexenjagd, die den Anschuldigungen gefolgt sei, nun die sexuelle Freiheit bedrohe.

"Vergewaltigung ist ein Verbrechen, aber der Versuch, jemanden zu verführen, sei es hartnäckig oder ungeschickt, ist es nicht. Ebenso wenig starten Männer, die sich als Gentlemen benehmen, einen Machoangriff", erklärte der Brief, der in der Tageszeitung Le Monde veröffentlicht wurde.

Männer wurden kurzerhand bestraft und aus ihren Jobs gedrängt, weil sie nur das Knie von jemandem berührt hatten oder versuchten, einen Kuss zu erhaschen", sagte der Brief, der auch von Catherine Millet, der Autorin des 2002er Bestsellers "The Sexual Life of Catherine M" unterzeichnet wurde.

Männer waren durch den Dreck geschleift worden, schrieben die Französisnnen, weil "sie bei professionellen Abendessen über intime Themen sprachen oder weil sie sexuell aufgeladene Nachrichten an Frauen schickten, die ihre Aufmerksamkeit nicht erwiderten".

Der Brief kritisierte feministische Social Media-Kampagnen wie #MeToo und sein französisches Pendant #Balancetonporc (Pangere dein Schwein an), weil sie "diese puritanische ... Welle der Reinigung" entfesselt hatten.

"Was mit der Befreiung von Frauen begann, hat sich heute ins Gegenteil verkehrt - wir schüchtern die Menschen ein, damit sie 'richtig' sprechen, schreien diejenigen nieder, die sich nicht anpassen, und die Frauen, die sich weigern, sich den neuen Realitäten zu beugen, gelten als Komplizen und Verräter. (...) Anstatt Frauen zu helfen, hilft dieser Wahnsinn, die (männlichen chauvinistischen) 'Schweine' in den Schlachthof zu schicken, den Feinden der sexuellen Freiheit - religiösen Extremisten und der schlimmsten Art von Reaktionären," sagte das Kollektiv der Frauen, die den Brief unterschrieben haben.

"Als Frauen erkennen wir uns nicht in diesem Feminismus wieder, der nicht lediglich den Missbrauch von Macht anprangert, sondern den Hass auf Männer und Sexualität verbreitet".


Die von den Französinnen beklagte Entwicklung war natürlich von Genderama und vielen anderen Männerrechtlern komplett vorhersehbar. Wer sich aber in der Phase, als MeToo an Fahrt gewann, entsprechend äußerte, wurde von den Unterstützern dieser Kampagne als Verteidiger sexueller Übergriffe dargestellt, so dass er sich überlegte, ob es nicht besser war, den Mund zu halten. Die aktuellen Attacken auf Männerrechtler als angebliche "Frauenfeinde" habe ich ja weiter oben gerade erst zitiert.

Man darf sich auch keine Illusionen machen, wie die Leitmedien mit einem von einhundert MÄNNERN unterzeichneten offenen Brief dieser Art umgehen würden.

Wo aber bleibt ein vergleichbarer offener Brief von einhundert deutschen Frauen, die ebenso mutig, klug und entschieden wie die Französinnen sind?

Auch deutsche Leitmedien wie der "Tagesspiegel" berichten über den Aufstand der Französinnen: Catherine Deneuve fordert "Freiheit zu belästigen".

Interessant ist, dass die in dem offenen Brief verwendeten Formulierungen in den Schlagzeilen deutscher Leitmedien wie "Tagesspiegel, "Welt" etc. immer wieder mit "belästigen" übersetzt werden. (Die "Zeit" immerhin änderte ihre Schlagzeile über Nacht von "Freiheit zu belästigen" zu "Freiheit, lästig zu sein"). In englischsprachigen Schlagzeilen wird dagegen von der Freiheit "to chat up", "to hit on" oder "to seduce" also von "Frauen anbaggern/anflirten/verführen" gesprochen. Offenbar empfinden deutsche JournalistInnen erotisch oder romantisch geprägte Kontaktaufnahme eher als Zumutung. Vielleicht erklärt das die massenmediale Verehrung, die Anne Wizorek hierzulande erfahren hat.



17. Das Männerbashing hinterlässt derweil seine Spuren: Unter der Schlagzeile "Ich will nie wieder eine Frau in meinem Leben" berichtet die Zeitung "Schweizer Minuten" über Männer, die dem anderen Geschlecht abgeschworen haben.

(Helen Smiths Buch über den "Streik der Männer" gibt es inzwischen übrigens auch auf deutsch.)



18. Im Oktober letzten Jahres haben sich die Schweizer Sozialdemokraten mit einem 30-seitigen Manifest Feminismus ins Parteiprogramm geschrieben. Diese Ideologie war deshalb auch beim Dreikönigstreffen der Partei ein großes Thema. Telebasel berichtet:

Tobias Schaub, Mitglied bei der SP und JuSo, findet ein solches Manifest hilfreich für eine konsequent feministische Sozialdemokratie. "Wenn ich noch ein Problem damit habe, dann zeigt das, dass ich noch nicht so weit bin und noch nicht genug Verständnis habe für die feministische Politik und dass ich vielleicht auch ein stückweit sexistisch agiere in einzelnen Ansätzen. Und ein solches Manifest hilft mir zu sehen, wo ich noch etwas machen muss."




19. "An der Pädagogischen Hochschule Zürich buhlt die Zeitschrift 'RePHlex' mit sexistischen Inhalten um Autoren" empört sich der Zürcher Tages-Anzeiger. Der Artikel selbst ist trotz dieses schnappatmenden Anreißers durchaus interessant zu lesen.



20. "Sind alle Ehemänner Mörder?" fragt der Rechtsanwalt Mirko Laudon auf Strafakte.de. "Diese Frage muss man sich leider stellen, wenn man versehentlich einen Blick in die digitalen oder analogen Gazetten wirft. Dort wird berichtet, dass jeden Tag in Deutschland eine Frau von ihrem Lebenspartner, Ehemann oder Ex-Partner ermordet wird. Mal ehrlich, kann das stimmen?"

Hier geht es weiter mit Mirko Laudons Analyse der Wahrheit hinter den reißerischen Schlagzeilen. Diese Analyse mündet in die Frage: "Wo ist der 'Qualitätsjournalismus', wenn man ihn einmal braucht?" Auch dieser Beitrag ist in seiner begründeten Schärfe absolut lesenswert.



21. "Mehr Rechte für Väter" war vergangene Woche ein Thema beim Sat.1-Frühstücksfernsehen. Vorgestellt wird die Selbsthilfegruppe des Väterrechtlers Markus Witt, der das Thema auch im Interview exzellent präsentiert.



22. "Hier wieder ein Bericht, den Sie in deutschen Mainstreammedien nicht finden werden, obwohl der Inhalt aus den USA stammt", schreibt mir einer meiner Leser. Der verlinkte Artikel bezieht sich auf eine Forschungsarbeit, die in einem wissenschaftlichen Fachmagazin veröffentlicht wurde und der zufolge der geringere Frauenanteil beim Sport keineswegs Diskriminierung zu verschulden, sondern evolutionär bedingt sei.



23. Eine andere Studie, die konträr zu den Auffassungen der Genderstudien steht, zeigt robuste geschlechtsspezifische Unterschiede bei dem bevorzugten Spielzeug von Kindern – über eine deutliche Bandbreite von Ländern, Zeitperioden und Altersstufen hinweg.



24. Die BBC berichtet über die Gehaltslücke von Frauen bei einer Reihe von Firmen:

Bei Easyjet zum Beispiel sind 6% der britischen Piloten Frauen - eine Rolle, die mit durchschnittlich 92.400 Pfund im Jahr bezahlt wird - während 69% der weniger gut bezahlten Kabinenbesatzung Frauen sind, mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 24.800 Pfund.


Die Männerrechtlerin Karen McFly kommentiert den Beitrag auf Facebook:

Das ist lächerlich. Pilot zu sein ist ein Beruf und keine "Rolle". Die BBC lässt es klingen, als ob Easyjet eine zufällige Gruppe von Leuten beschäftigt und - weil sie im Interesse des Patriarchats handeln - mehr Männer als Piloten und mehr Frauen als Kabinenbesatzung einsetzt, während es in Wirklichkeit immer mehr Frauen geben wird, die Kabinenbesatzung sein wollen, und mehr Männer, die sich ausbilden wollen, um Piloten zu werden.




25. Auch durch die deutschen Medien ging der Vorwurf einer BBC-Mitarbeiterin, dass sie für gleiche Arbeit vom Sender schlechter bezahlt würde als Männer. Der in feministischen Kreisen als "Antifeminist" verschriene maskulistische Parlamentsabgeordnete Philip Davies stimmt diesem Vorwurf von Frauenseite explizit zu.



26. Alle Männer zu töten gehört zu den guten Vorsätzen einer Huffington-Post-Redakteurin fürs neue Jahr. Andere Wortmeldungen derselben Journalistin sind nicht weniger befremdlich.



27. Bei einem weiteren Briten stellt sich heraus, dass er fälschlich der Vergewaltigung beschuldigt wurde – leider erst nach zwei Jahren Knast. Diesmal hatten die Ermittlungsbehörden entlastende Facebook-Postings übersehen, die die Schwägerin des Justizopfers innerhalb einer Minute entdeckte. Der fälschlich Beschuldigte saß zusammen mit echten Sexualverbrechern in Haft und musste sich einer psychiatrischen Behandlung unterziehen, weil sein ständiges Beteuern seiner Unschuld zeige, dass er die Tat vor sich selbst verleugne.

Fachleuten zufolge haben wir es bei den in den letzten Wochen bekannt gewordenen Fällen dieser Art nur mit der Spitze eines Eisbergs zu tun.



28. Fox News hat die Berichte aufgegriffen, denen zufolge eine Unterstützerin Hillary Clintons Frauen 500.000 Dollar angeboten hatte, wenn sie Donald Trump vor der Präsidentschaftswahl sexuellen Fehlverhaltens bezichtigen würden.



29. Ein Mann, der beim einvernehmlichen Sex die Brüste seiner Partnerin gepackt hatte, ist jetzt vor Gericht freigesprochen worden. Damit wurde ein früherer Schuldspruch revidiert.



30. Auch Stan Lee, dem Begründer des Marvel-Superhelden-Comicverlages wird jetzt sexuelle Belästigung vorgeworfen. Die angeblichen Opfer haben keine rechtlichen Ansprüche erhoben. Lee, der die Beschuldigungen zurückweist, ist 95 Jahre alt, seine Frau, mit der 69 Jahre lang verheiratet war, ist im Jahr 2017 im Alter von 93 Jahren verstorben.



31. Zu einer hitzigen Debatte auf Twitter sorgt die britische Version von "Celebrity Big Brother". Dort kam es zu einer Konfrontation zwischen dem R&B-Sänger Ginuwine und der transsexuellen Journalistin India Willoughby. Nachdem Ginuwine erklärt hatte, dass er nicht mit einer Trans-Frau ausgehen würde, versuchte Willoughby, dem Sänger einen Kuss aufzudrücken. Als Ginuwine das abblockte, stürmte Willoughby davon. Jetzt haben sich bei Twitter zwei Lager gebildet. Das eine ist empört über Ginuwines mangelnde Bereitschaft, sich mit einer Trans-Frau einzulassen, und beschimpft ihn als transphob und bigott. Das andere besteht darauf, dass der Sänger die Wahl hat, zu küssen wen er will. Einige argumentierten auch, dass Willoughby den Sänger belästigt habe.



32. Zuletzt der maskulistische Blick ins "exotische" Ausland: In Indien häufen sich die Entführungen von Männern, die zu einer Zwangsheirat gebracht werden sollen.

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